und weltlichen Moral, und der Kritik. — Wieland. 251
dadurch auf psychologische Betrachtungen und Erfahrungen geführt, dieihm Lessing gewünscht hatte; er lernte den Eifer gegen die Finsterlingeverstehen, die das gegenwärtige Leben an ein künftiges verlieren moch-ten ; er arbeitete, ehe er sichs versah, an der Philosophie der Anakreon-tiker mit, die weisen Gebrauch des Lebens und das Gcheimniß dermenschlichen Glückseligkeit lehrte. Fehlte noch ein äußerer Beweg-grund, um ihn von seiner Frömmigkeit, herüberzubriugen zum Hassenalles Bonzengeistes, so stellte sich auch dieses ein. Auf seine Verwen-dung war Brechter, der nachmalige Herausgeber von La Roche's Brie-fen über das Mönchwesen, in Bibcrach Prediger geworden; er hattedie rechtgläubige Bürgerschaft gegen sich^ und eS kam zu Aufständen,die Wieland später in den Abderiten verewigte. Er erfuhr also hier,wie die Religion zum Deckmantel gehässiger Leidenschaften gemachtward, und so half der Volksfanatismus im Kleinen bei ihm zu seinerAnfeindung positiver Religionssatzungen, wie bei Voltaire und Rous-seau im Größeren, wie im höchsten Grade die Greuel der englische»Religionskriege der mächtige Anlaß waren, daß sich ein so edler Mannwie Cherbury zuerst mit Abscheu dawider sträubte, eine Religion vonGott gcofsenbart zu glauben, die in dessen Namen so viel Schrecklichesvollführte.
Von jetzt an treten wir in ein ganz anderes Gebiet in Wieland'sSchriften. Die vollkommene Klarheit, die über allen Werken und An-sichten, Regungen und Handlungen Wieland's liegt, läßt uns auch hierauf dem gebahntesten Wege durch seine nächsten Schriften hindurch-gehen und die genaueste Ansicht von seiner innern Verwandlung gewin-nen. Den Wendepunkt macht sein Theages (1760). Wir haben hierzwar noch immer eine strenge Ansicht von Moral und Poesie; noch solldie letztere die Tugend zum Zweck und Ziel haben, eine Meinung, derin den Noten späterer Ausgaben widersprochen wird. Aber höchst be-deutsam sind schon die handelnden Personen. Wir lernen hier zwei Ge-schwister kennen von ganz anderem Fleisch und Blut, als jene liebenfrommen aus seinem Schauspiel. Eine Aspasia, die zwar eine Männer-verächterin ist, aber keineswegs eine Nonne, ledig, weil sie nie einenKarl Grandison gefunden, ja auch nicht einmal gesucht und vermuthethat hier unter dem Monde, eine Weltdame auf großem Fuß, von feinenBedürfnissen, prachtliebend, aber vortrefflich, von fröhlicher Anlage, dieeine Rowe bewundern kann, ohne die zweite Rowc aus sich erzwingen
136) Vgl. Schubart's Leben I, x. 65.