u. weltlichen Moral, u. d. Kritik. — Preußens Teilnahme ic. 237
derArcheNoäh. Nun stieg cineJungfrauvonHimmel herab, die Empfin-dung; edle Seelen hätten sie allein begrüßen sollen, allein das Geschreivon ihr ward vulgär, die jungen Sänger brachten jedem Blättchen einenThränenzoll, machten sich im Mondschein ihr Bettchen, wollten allmäh-lich ihr Gefühl erhöhen, cs floß die Quelle, es sang die Nachtigall, esblies der Zephyr nicht zauberisch genug. Der Tempel der griechischenGötter eröffnete sich jetzt (Wieland); aber auch Er wird befehdet vonden Barden, den kriegerischen, mit teutonischen Tönen, rauh und pracht-voll, nur in wenigen Gesängen den Musen unverdächtig u. s. f. Mitdem Uebergang zur Empfindung bezeichnet er die weltlich-sentimentaleStimmung, die an die Stelle der geistlichen trat. Wie die berliner So-kratiker die Philosophie aus den metaphysischen Fragen über Gott undUnsterblichkeit zurückrufen wollten zum Menschen, so diese epikureischenWeisen und Dichter die Poesie von den Engeln des Himmels zu denender Erde. So sagt Michaelis: Mein Standpunkt ist dieses Rund; wasaußer ihm liegt, gehört nicht meinen Sorgen; der Erdball aber ganz,und meinem Geiste ward Licht, mein ganzes Wohl, das dieser Ball ver-flicht, auf diesem Balle ganz mir aufzuklären. Aehnlich wie dieser inBezug auf das Intellektuelle, äußert sich Klamer Schmidt über das Em-pfindende. Ich lasse, sagt er, dem hohen Dichterschwunge seinen Werth,doch Alles, was nicht enger um unser liebendes Herz sich dreht, istein fremdes Gut, das die Gefühle nicht reiner macht, das sie nur ver-wirrt. Er sucht daher nach verstandenen Empfindungen und machtden Uebergang von andächtigen himmlischen Gefühlen zu irdischen undnicht selten sinnlichen. Die ganze Zeit macht diesen Uebergang mit.Osstan schob Uoung bei Seite und zu seiner Fahne schwuren die Bar-den; Uorick's empfindsame Reise verdrängte Uoung gleichfalls, und andiese hielt sich auch Jacobi. In seinen empfindenden (versificirten) Som-mer- und Winterreisen (l769) ahmt er Uorick nach; das Faktische fehlt,der Nebel der Empfindung blieb. Alles athmet hier Weichheit, Scho-nung, Toleranz, selbst gegenThiere und gegen Jesuiten. Ein Paar Tau-ben, in einem Wirthshause ihrer Freundlichkeit wegen gehalten, und mitdem Küchentode verschont, beschäftigen ihn mit Gedanken länger als derSieg eines Helden gethan haben würde. Wie Alles für diese Empfin-samkeit empfänglich war, belege eine Anekdote, die sich auf Jacobi be-zieht. Er hatte Uorick's Reisen in einer Gesellschaft vorgelesen; dieStelle, wo Uorick mit dem Pater Loreuzo die Dose tauscht, machte einenfreundlichen Eindruck, man kaufte sich Horndosen mit den Namen Lo-renzo und Uorick, und Jaeobi schickte eine solche an Gleim mit einem