1t)8 Wiedergeburt der Dichtung unter den Einflüssen der religiösen
wenige Jahre vorher. Der Tod fürs Vaterland ward daS Ziel seinerWünsche und seines Lebens^). Er starb 1759 in der Schlacht bei Kun-nersdorf nach einer denkwürdigen Tapferkeit den wahren Tod eines Helden. Sein Fall erschütterte seine Freunde Gleim und Lessing anfS hef-tigste ; diese seine Tapferkeit gewann der deutschen Dichtung und Lite-ratur weit mehr die Herzen des preußischen Heeres und Volkes, als esje seine Poesien vermocht hatten, die er bei Lebzeiten vor seinen Kamera-den sorgfältig versteckte; auf dem Grabe des kriegerischen Sängers ließKretschmann den Bardengcsang erschallen, der eigentlich die ganze Bar-dcndichtung hervorrief.
Wie dieses Eine Ereigniß, so machte der ganze 7jährige Krieg eineschlagartige Wirkung in Deutschland. ES trat nicht nur diese Eine Per-sönlichkeit in einem poetischen Glanze hervor, auch ans viele andere hattedie kräftige Stimmung dieser Jahre einen entschieden vortheilhaften Ein-fluß, und hier müssen die Keime gesucht werden zu jenen jungen Charak-ter» der 79er Jahre, die mit einer neuen Kühnheit unsere alte Literaturerschütterten. Der kriegerische Ton der Literaturbriefe, die gerade in dieJahre des Kriegs fallen, der erobernde Ungestüm Lessing's, mit dem eralle hergebrachten Gattungen angriff, sind von den Einwirkungen derZeitvcrhältnisse nicht frei. Das peinigende Gefühl gedrückter Verhält-nisse und dürftigen Lebens, das sich gleichmäßig in den Lessing, Kleistund Winckelmann regte, erhielt hier neue Nahrung, und ihre Strebsam-keit neuen Schwung. Ein gewaltsameres Treiben, eine Hast der Ge-fühle und Leidenschaften, ein rascherer Umschwung kühnerer Ideen undAnsichten durchdrang die Nation. Es kam in die Lebenöschicksale ebendieser Männer und Anderer eine neue Bewegung, und wieder in Andereein poetischer Anstrich, der in dem Geschlechte neue Empfänglichkeit fürdie Dichtung der Leidenschaft und Handlung anregen mußte. Eine un-bestimmte Unruhe faßte die Menschen, und riß sie hier zur Größe, hierinS Verderben. Der Freiherr von der Trenk ist das bekannteste der man-nichfachen Beispiele, die sich hier anführcn ließen. Ein Freund Kleist's,der Epigrammatist Fr. Ewald aus Spandau, Auditeur in Prinz Hein-rich's Regiment, forderte in dem ersten Jahr des letzten Feldzugs seinenAbschied, ging an den Hof der Landgräfin von Darmstadt, ward von
98) In Cissides und PacheS schrieb er sich selbst diese Inschrift ans sein Denkmal:Der Tod fürs Vaterland ist ewigerVerehrung Werth! wie gern sterb ich ihn auchDen edlen Tod, wenn mein Verhängniß ruft.