Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
134
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134 Wiedergeburt der Dichtung unter den Einflüssen der religiösen

sprnng zu erkennen. Wie viel ganz nngeheuchcltc Allegorie blieb nicht inMilton hängen! wie gingen nicht in Klopstock Visionen ein und Schil-derten! hrue haben Beide die musikalischen, elegischen, idyllischen, lyri-schen Elemente zusammengehäuft, und die acht epischen nur mit Müheund vereinzelt gefunden! Ja selbst der Kampf mit dem Drama ist, wennnicht in den Werken, so doch in den Dichtern zu finden. Milton sollvon einem Singspiel Andreini'S (Adam) zu seinem Werke angeregt wor-den sein; er wollte sogar zuerst eine Tragödie aus dem Falle des Men-schen machen, zu der sich verschiedene Plane und Bruchstücke vorfanden.Klopstock umgekehrt ging noch während der Verfertigung seines Eposzum Drama gleichsam über und schrieb seinen Adam. Dies gleiche, aberumgekehrte Verhältnis; rührt daher, weil dem Milton die Blüthe deSSchauspiels in England vorausgegangcn war, auf Klopstock aber erstfolgte. Wie nahe übrigens Milton der Gedanke zu einem Schauspielliegen mußte, folgte ans dem fortdauernden Bestände der Mysterien, mitdenen sein Gegenstand so verwandt war. Denn das war ja der Kernaller jener mystischen Gleichungen, jenes große Verhältnis; von Adam zuChristus, von jenem vaterlosen Erdgebornen und diesem vaterlosen Sohnder Jungfrau, die, Beide unsterblich, sterben mußten, der Eine durchSünde gezwungen, der Andere um der Tugend willen aus freiem An-trieb, als Verderber und Erlöser. Milton sang den Fall des Menschenin einer Zeit, wo sich nach seinem Sinne im Politischen in seinem Vater-lande das große Schauspiel der verlorenen Freiheit der Menschheit wie-derholte. Er sagt es im 12. Gesänge selbst, daß der Abfall von Ver-nunft und Tugend den Menschen auch äußerlich durch Tyrannenden Verlust ihrer Freiheit bringt; gerechtes Urtheil und Fluch der Vor-sehung bringe die innerlich Unfreien auch in politische Knechtschaft; Ty-rannei müsse sein, obwohl der Tyrann deshalb nicht zu entschuldigen sei.Er schrieb sein Werk wenige Jahre, nachdem die Republik England auf-gchört hatte zu sein, deren Sache er ergeben war bis auf die Vertheidi-gung des Königmords. Man erkennt den Sohn einer rauhen Zeit, dienur strenge Gerechtigkeit nach religiösen Grundsätzen übt; das ganzeGedicht geht, wie eS dem Stoffe gemäß ist, von der Satzung aus: dergefallene Mensch ist dem Untergang geweiht,er muß mit seiner ganzenNachkommenschaft sterben, Er muß sterben oder die Gerechtigkeit." Undnach eben diesem Grundsätze stimmte Milton in der Wirklichkeit fürjenen Akt einer finsteren Gerechtigkeit, die an Karl I. die Erbsünde derKönige unerbittlich strafte. Ein solcher Mann konnte den Fall derMenschheit fingen, aber nicht ihre Erlösung. Er versuchte es, cs ist