74 Wiedergeburt der Dichtung unter den Einflüssen der religiösen
milchigen Ode Klopstock's an Eberl ansspricht. Widrige Schicksalewirkten ans die Gemüther verdunkelnd ein; Schlegel hatte den Todseines Vaters, bald darauf den Tod seines früh dahingegangenen Bru-ders Elias, Giseke den seiner Eltern, Cramer den seiner Braut, Klop-stock den Verlust seiner ersten Liebe zu betrauern. Dies wurden Klagenfür den ganzen Kreis der Freunde. Mit dem Messias zog sich ein elegischsentimentaler Ton über ganz Deutschland hin, Klopstock versenkte sichimmer tiefer in heilige Stimmungen, Cramer ward trüber und sah sogaraus die Satiren seiner Freunde mißbilligend hin, Schlegel folgte, sogarZachariä griff nach geistlichen Epopöen und Ebert übersetzte den Zchung.C. Arnold Schmid'S lange nachher erschienenen Gedichte, seine (Klop-stockischen) Lieder ans die Geburt des Erlösers (176l) und seine (Wie-landischen) Jugendgeschichten des heil. Blasius (1786) zeigen ihn scharfgetheilt zwischen diesen beiden Richtungen. Geliert ging von der Fabelzum geistlichen Liede über; seine Heiterkeit war immer eine rührende ge-wesen, und auch in Gärtner's und Giseke's Frohsinn spielte Ernst undsanfte Schwermuth hinüber. Alles, was die ganze Lyrik dieser Männerkennzeichnet, läßt sich ans diese Momente znrückführen, ans die Freude,die ehemals in ihrem Kreise herrschte, auf die Wehmnth, die ihre Tren-nung und andere Geschicke, die allgemeine Stimmung in Deutschland oderdie hypochondere Anlage der Einzelnen über sie breitete, aus die Freundschaft und die Tugend, die in Beiden:, in Leid und Freude ausdauerte.
Allerdings ist gerade das Lyrische, und besonders das heitere Ly-rische die Stärke dieser Männer nicht. Ihre gesammten Reimgedichtesind nur veredelte Gelegenheitsgedichte, die dadurch, daß Empfindungin sie eingeht, aus der Reihe der hergebrachten Gottsched'schcn heraus-treten. Gärtner hatte nur deS Mitgehens wegen wenige Gedichte ge-macht; Klopstock'S Freund, Schmidt, machte nur eine Zeitlang die Ge-sellschaft zum Dichter; Adolph Schlegel hatte sich von seinem stürmi-schen Bruder nur so mitreißen lassen, wie er selbst gesteht; auch desPastors Gottlieb Fuchs (geb. 1722) wenige Gedichte^) sind im Grundenur interessant, weil sie von einem gewesenen Bauernsohne herrührcn.Was bei Allen diesen Leichteres und Heiteres ist, hat, wie Alles der Art,auch bei Giseke durchaus keinen Werth. Es schien, als ob sich allesAnakreontische und Heitere um Gleim und Uz hätte sammeln wollen, esgedieh in diesem Kreise nicht. Nur der Eine, I. Arnold Ebert (1723—05), machte hier eine Ausnahme, er trat aber auch mehr mit den Hal-
37) Gedichte eines ehemals in Leipzig studirenden BauerS-SohneS. 1771.