Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
55
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u. weltlichen Moral, u. r. Kritik. Gottsched u. d. Schweizer.

nutiui (ch 173 k) den Unwillen der Meißner dadurch erregte, daß er auSdem Englischen den Gebrauch des vorgeschlagencn Genirivs und desPartizips der Vergangenheit entführte, und die weitschweifigen Relativ-sätze beseitigte, keineswegs mit Billigung nnsers auf Feierlichkeit halten-den Gottsched. Hoffmann war ein Mitglied der patriotischen Gesellschaftin Hamburg, ein ganz eiugenthümlicher Mann, der die ansangende Be-wegung in der deutschen Literatur in Leben und Schriften darstellen kann,Theolog, Sprachkundiger, Antiquar, Jnwelenhändler, als Nebersetzeranö dem Englischen ein Vorläufer von Ebert und Bode, als Stilist vonLiscow, denn er hatte aus neuen und alten Sprachen seinen Slil einenganz eignen und neuen Charakter gegeben, und seine 2 Bücher der Zu-friedenheit wurden mit Begierde gelesen und zwischen 172238 sieben-mal aufgelegt. Alles dies überflügelte Liseow in seiner merkwürdigenSchreibart, die zwar nach französischer Art korreet, phantasielos, abereigenthümlich rein und keck ist, und die Lessing ungefähr ebenso vorhergehtwieDrollinger dem Klopstvck. Liscow ist der erste Mann, der über schlechteSchreiber bei uns spottet, ohne, nach dem strengsten Maße gemessen,selbst einer zu sein, der in seinen Schriften so als ein Schlußstein dernordischen Satiren des 17. Jahrhunderts erscheint, wie Rabener auf derHöhe des viel niedrigeren sächsischen Humors steht. Wenn er diesenletzteren an Männlichkeit, Mnth, Gediegenheit, Gesinnung und Schreib-art weit übertrifft, so ist es doch natürlich, daß dies nur von dem gebil-detsten Thcil des Volkes anerkannt werden konnte, denn seine Werke zulesen verlangt hie und da Kopf. Dies würde, wenn es ausgemacht wäredaß Liscow ihr Verfasser sei, am meisten in der Schrift über die Unnö-thigkeit guter Werke zur Seligkeit (1730) der Fall sein, der merkwür-digsten Urkunde, um die damalige Verbindung unserer Freidenker mitden Pietisten zu belegen. Hat dieses Werkchen einen andern Verfasser,so macht dieser das Primat der ironischen Schreibart nach Zeit undWerth unserem Liseow streitig. Der dürre Verstand, der hier mit einermerkwürdigen Schärfe an die Dinge gelegt wird, über die die geistliche Sal-bung gern wcgschlüpft, macht eine vielleicht nur zu grelle Wirkung; diegrundtiefc Ironie ist vielleicht nie so weit getrieben worden. Denn mankönnte sich gewiß hier die allerstärksten Waffen zur ernsten Vertheidigungder rechtgläubigen Lehre herholen, so gründlich maökirt führt der Ver-

2L) In der Originalausgabe von Llscow's Schriften, Frankfurt und Leipzig 1739,findet sich diese Schrift nicht. AuS diesen und andern Umständen zweifelt man, das sievon L. sei.