20 Wiedergeburt der Dichtung uutcr den Einflüssen der religiösen
durch litcrargeschichtliche Werke, durch poetische Sammlungen, durchkritische Beobachtungen zum Bewußtsein kam; bald bildete sich eine eigen-thümliche preußische und österreichische Literatur. Gottsched machte sichein eigentliches Geschäft daraus, in wohlerwogenen Absichten bald aufden Gegensatz der protestantischen und katholischen, der bcnedietinischcnund jesuitischen Literatur aufmerksam zu machen, bald auf die Leistungenund Unterscheidungszeichen der verschiedenen Provinzen und Gesellschaf-ten. So kann man in seinem „Neuesten" wohl verfolgen, wie er die west-phälischeu Bemühungen, die fränkischen und schwäbischen Versuche, denarmseligen Hofpoeten Casparson in Cassel, die baierischen Reimschmiedeund Aehnliches aus dem Staube hervorzieht, den Stümpern Muthmacht, die Fremden bald mit Lobsprüchen, bald mit Tadel für seineSchule wirbt. Ebenso setzte er sich mit Bern gegen Zürich, und hatteanfangs mit den Zürichern so enge Verbindung, daß Bodmer selbst unterden Mitarbeitern an Gottsched'schen Zeitschriften erscheint. Als nachherdie Mißhelligkeiten ausbrachcn zwischen Zürich und Leipzig, drängte ersich ebenso wie zu den Bernern, auch zu den Baselern. Er machte demdortigen Gelehrten WercnfelS das Compliment, daß sich von seinerSchrift äe meteoris orationis, die in den Schriften der Leipziger Gesell-schaft übersetzt erschien, der Ursprung der kritischen Zeiten herschreibe;er wußte sich die Herausgeber des helvetischen Patrioten in Basel ebensozu verbinden, wie die des Brachmanen in Bern; und endlich wollte erDrollinger und Spreng in Basel mehr für Schwaben als Schweizergehalten haben. Spreng würde sich diese Ehre als ein guter Baselerverbeten haben, Drollinger ist aus Durlach und also zwar kein Baseler,für den ihn jedoch sein Freund Spreng ausdrücklich mehr erklärt, alsfür einen Schwaben, weil er dort gebildet ward und meistens dort lebte.Bei all' dem läßt sich nach Gottsched's Winke wohl sagen, daß die Dich-tung in die Schweiz eingewandert ist, und man kann ihre Wege vonSachsen und Schlesien aus verfolgen. Wir sahen oben, daß Neukirchvon Schlesien und Berlin aus nach Anspach überging, und daß dortdieser Same nicht verloren war, zeigten nachher Cronegk und Uz. Danngaben wir schon König als einen solchen an, der die Literatur desOstens und Westens verband und dieser ist ein Schwabe, und stand sehrgenau mit denZürichern inVerbindung. Und endlich ist allerdings Drol-linger's Wanderung nach Basel und sein Anschluß an die Züricher von Be-deutung, und hauptsächlich darum charakteristisch, weil er, mit dem Hofevon Durlach in die Republik versetzt, auch alle Eigenschaften eines Hof-dichters preis gab und wesentlich ein volksthümlicher Dichter ward.