und weltlichen Moral, und der Kritik. — Ueberblick. 13
katholischen Deutschland nach Wien, ohne jedoch zur Blüte kommen zukönnen. Sie zog sich aus dem gesummten Osten weg nach der Schweiz,die nun nach langer Pause fortwährend geschäftig bleibt, nach Nieder-sachsen und dem Norden, wo von Brockes und Hagedorn an, durchGleim nndKlopftock bis auf Voß und Niebuhr, Dahlmann und Schlossereine ungemein energischeThätigkeit herrschend ward, die mit der Weichheitder schweizerischen Leistungen in einem sonderbaren Gegensätze steht; undferner nach dem Rheine hin, der seit zwei Jahrhunderten gefeiert hatte.Nachdem auf diese Weise die Peripherie des Kreises beschrieben war,strömte eine Zeit lang das Mark der deutschen Literatur nach dem Mittel-punkte hin und sammelte sich in Weimar und Jena, und es war einZeichen des schnellen Verfalls, als dann plötzlich eine neue Zersplitte-rung eintrat und die Dichterschulen im Norden, in Berlin, Wien undStuttgart entstanden, eine Zersplitterung, die in späterer Zeit nochgrößer geworden ist, wo die junge Dichterrepublik, wie verabredet, ihrePrätoren in alle Städte mäßiger Größe vertheilt. Wer sich in noch ge-fährlichere Tiefen dieses geheimnißvollen Wachsthums einer neuen Zeitversenken wollte, der könnte in ihren Vertretern das Großwerden desjungen Geistes physiologisch verfolgen, wie er embryonisch in dem rätsel-vollen Hamann liegt, mit aller physischen Kraft einer Kindernatur inHerder vortritt, dann als ein Bild der träumerischen Frühjugend in JeanPanl, der reifen Spätjugend in Göthe, der umsichtigen Männlichkeit inSchiller erscheint.
Aber hier sei es genug mit diesen mißlichen Winken aus derBinnen-lehre historischer Weisheit, die nicht mittheilbar sind als dem, der sieschon hat, und die Vielen eher ein verdunkelndes Räthsel als ein auf-schlußgebender Ueberblick sein werden. Wem cs in diesem Werke anUebersichtlichkeit gebricht, der muß, mitVcrzichtleistung auf das, was diehistorische Einsicht darin fördern kann, sich an die Lichtpunkte des darge-stellteu Stoffes halten, wo cs ihm nie an Klarheit fehlen kann. Eskonnte in diesem so angelegten Werke, das eine Art Vollständigkeit be-zweckt, leider der Vortheil nicht ganz benutzt werden, den die Literarge-schichte besonders des vorigen Jahrhunderts darbietet. Ihre Entwicke-lungen, Richtungen und Ideen haben außerordentlich scharfe Vertreter;der Gang unserer Poesie läßt sich an Klopstock und Wieland, Lessing undHerder, Voß und Jean Paul, Schiller und Göthe vollkommen darstellen.Wollte man sich der Gegenwart und ihrem Bedürfnisse entfernter stellen,ein Werk von reinerer Form statt eines von reicherem Stoffe liefern, sowäre eine so klare und einfache Erzählung zu liefern gewesen, wie sie nur