Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
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und weltlichen Moral und der Kritik. - Ueberblick.

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Philosophie, die leicht fanatischen, sondern daß die Dichtkunst der vor-herrschende Zweig war, die überall mildert und versöhnt. An die Ge-schichte der Dichtung muß also die Geschichte dieser Umwälzung geknüpftwerden, obgleich dies nicht anders geschehen kann, als wenn wir gele-gentlich auch auf andere Gebiete der Theologie und Pädagogik, derGeschichte und Philosophie wenigstens Hinüberblicken. Denn die Be-wegung der Geister war durchaus eine gemeinsame und allgemeine, wiewir vorher schon andeuteten, und selbst die reinsten Dichtergenien konntensich Tätigkeiten, die der Dichtung fremd waren, nicht entziehen. Unterdiesen wollte Schiller, dessen Seele allen feinsten Einwirkungen der hi-storischen Witterung offen stand, sogar die Bedeutung unserer Dichtungfür eine künftige politische Wiedergeburt voraussehen.

Den RcvolutionScharakter unserer Literatur im vorigen Jahrhunderthat man bisher kaum im Allgemeinen nur erkannt; geschildert ist jeneBewegung ihrem inneren Zusammenhänge nach noch gar nicht worden,weil wir noch keine Literargeschichte hatten, die eigentlich das wäre,was sie ihrem Namen nach sein will; Geschichte. Und cs war dochso leicht, nur mit Uebertragung der Wahrzeichen einer politischen Revo-lution die ähnlichen Erscheinungen in unserem Literaturstaate zu gliedern.Freilich gehörte dazu erst eine Art des Ueberblicks derselben, wie wir ihnnicht gewohnt sind und wie er uns eben daher so schwer wird; ein Ue-berblick, der auf jedes Buch wie auf eine Begebenheit, aus jeden Schrift-steller wie aus einen handelnden Menschen, auf kritische Urtheile wie aufWirkungen des Geschehenen hinsähe, der also eine historische, chronolo-gische Leetüre bedingte, nicht eine ästhetische und einfach genießende.Sollte man also diese geschichtliche Betrachtung unserer Literatur über-sichtlich erleichtern, so würde man sich am kürzesten entschließen, jeneAnalogie anzudeuten, obwohl eine solche Vergleichung leicht mißdeutetund durch Mißdeutung lächerlich wird. Man müßte also erinnern, daßunsere Poesie seit dem 16. Jahrh. in den Händen der bevorrechtetenStände war, unter Geistlichen und Adel. Zuletzt noch werden wir sehen,daß selbst jene weltlichen Gelehrten, die aus den Leipziger Schulen wir-ken, dieser Verbindung mit Adel und Höfen sehnsüchtig nachstreben.Gegen eben diese beginnt nun zuerst eine durchaus bürgerliche Reactionvon zwei Republiken aus ,, Ham burg und rich. Auf der Höhe dieserersten Bewegungen steht Klopstock^derzwar vornehm und aristokratischwar, aber auch herablassend und frei, zwar noch gleichsam innerhalbdes bevorrechteten Standes der Geistlichen sich bewegte, aber ein durch-aus neues und volksthümliches Element mitbrachte: Empfindsamkeit.