17
Chemische Betrachtung der Mineralquellen im
Einzelnen.
Von einigen Ncben-Eigenschaften der Mineralquellen.
Farbe, Geruch, Geschmack einer Mineralquelle richten sich nach deren chemi-schem Gehalt. Wer Gelegenheit hatte, viele Mineralquellen zu sehen, ist im Stande,durch die Sinne des Gesichtes, Geruches und Geschmackes die chemische Natur derQuellen auf den Augenblick zu bestimmen.
Das unruhige Verhalten einer Mineralquelle, das Sieden und Rauschen dersel-ben, entsteht aus dem Entwickeln der Gase; auch hierbei will man einen Unter-schied bemerkt haben, nach dem man die Gas-Ai’t bestimmen kann.
Von dem specißscheii Gewicht der Mineralquellen.
Die specifische Schwere eines Mineralwassers ist je nach seinem Gehalte an festenBestandtheilen verschieden. Die Mineralquelle von Nocera soll sogar leichter seyn,als destillirtes Wasser (0,996); dagegen hat die Salzquelle zu Pyrmont ein specifl-sches Gewicht von 1,01 33 .
V011 der Wärme der Mineralquellen.
Die Temperatur der Mineralquellen ist sehr abweichend. Wetzler hat nach derVerschiedenheit ihrer Temperatur die Heilquellen in kalte, kühle, laue, warme undlieifse getheilt; Andere haben andere Eintlieilungen vorgeschlagen. Die mittlere Tem-peratur des Ortes, wo eine Mineralquelle entspringt, ist gewöhnlich geringer, alsdie Temperatur der Quelle selbst, und selten hat eine Quelle unter 8° Pt.; dagegensteigt die Wärme der Mineralquellen bis zu 4 °, 5 o, 60 und 8o°. Die kalten Minei’al-quellen enthalten in der Regel mehr gasige Bestandtheile, und diese inniger gebun-den; dagegen sind in den heifsen Mineralquellen die festen Bestandtheile innigermit einander verbunden. Ueber die Natur der den Mineralquellen inwohnendenWärme walten verschiedene Meinungen ob.
Viele Naturforscher und manche Brunnenärzte haben nämlich bei der Betrach-tung so unergründlicher Erscheinungen, wie eine aus dem Schoofse der Erde hcr-vorsprudelnde Therme ist, in Bewunderung ihrer Unveränderlichkeit und Gleich-förmigkeit und ihrer unerklärlichen Heilkraft, diese den Thermen eingeborne Wärmeals eine ganz besondere, eigenthümliche, specifische Wärme anerkannt und ihr an-dere Kräfte und Eigenschaften beigelegt, als die gewöhnliche, durch Sonnen-Einllufsoder künstliches Feuer erzeugte, Wärme besitzt.
Man behauptete nämlich, und diese Behauptung hat sich von Geschlecht zu Ge-schlecht, von Buch zu Buch fortgepflanzt, dafs das Thermalwasser seine Wärme in-niger gebunden habe und schwerer entweichen lasse, als künstlich erwärmtes, mitdenselben chemischen Bestandtheilen angeschwängertes Wasser; man behauptete vomThermalwasser, dafs seine Wärme auf uns einen angenehmeren Eindruck mache ; dafsmau eher ein Thermalwasser von 5 o° trinken könne, als ein Quellwasser von 4 o° ;dafs man ein Thermalwasser von 70° R. verschlucken könne, ohne die geringste Un-bequemlichkeit davon zu spüren, während ein 25 ° weniger warmes gewöhnlichesWasser nicht verfehlen würde, uns Gaumen und Schlund zu verbrennen; endlichdafs Pflanzen selbst in den heifsesten Thermen nicht verderben, sondern sogar neu-erdings belebt werden, nachdem sie verwelkt waren, und dafs also die Wärme derThermen eine unnachahmliche, unerklärliche, mit wundcrlhätigen Eigenschaften be-