vergleichen könne, dessen Haut so weit geöffnet sey, dafs wir den Lauf einiger we-nigen Adern betrachten könnten, dessen Schlagadern aber, und besonders dessenHerz, als der Ursprung aller Bewegung, verborgen seyen. Spindler betrachtet dieQuellen als Absonderungen der Erde, und die Orte ihres Entstehens als Absonde.rungs-Organe, gleich denen vegetabilischer und animalischer Individuen; dieserMeinung ist auch Müller. — „Man mufs zu geben, dafs unsere Erde dann mit vielenNieren versehen ist,“ bemerkt Berzelius bei Anführung dieser Meinung.
Der um die geognostische Kunde Deutschlands und um Naturkunde überhauptso verdiente Keferstein hat uns in seiner Zeitschrift (B. Y. Heft I.) mit einer neuenTheorie über Quellen- und Mineralquellen-Bildung bereichert, die er durch eineMen«e von Thatsachen zu unterstützen weifs. Er hält dafür, dafs die Quellen, so-wohl die einfachen, als die Salz - und Mineralquellen, ihren Ursprung einem Ath_mungs-Procefs der Erde verdanken, wodurch die atmosphärische Luft eingesogen, inihrer Grundmischung zersetzt und umgestaltet werde, und so als Wasser wiederan die Oberfläche gelange. Er sucht es plausibel zu machen, dafs durch eine "Ver-schiebung der Grundbestandtheile der atmosphärischen Luft, durch eine eigenthüm-liche Lcbcnsthätigkeit, durch eine organische Function der Erde, die Entstehung vonWasser - und Salzquellen aus atmosphärischer Luft nicht so unglaublich sey, wiees für den ersten Augenblick erscheinen möchte; dafs eben so gut Natrum und Salz-säure durch eine Generatio aequivoca gebildet werden könne, als es mit dem Sal-peter eine ausgemachte Sache sey, und dafs durch solch einen Procefs eben so gutein Wassertropfen von einer gewissen chemischen Constitution erzeugt werden könne*Keferstein hat diese Theorie, so gewagt sie auch für den jetzigen Stand der Dingeerscheinen mag, mit so vielen Gründen und Thatsachen zu unterstützen gewufst, dafssic für jeden, der sich durch lebhafte Einbildungskraft leicht zu einer Ansicht vomLeben an sich lebloser und eines eigentlichen lebendigen Actes, wie das Athmen ist,unfähiger Körper hinreifsen läfst, überredend und überführend erscheinen mufs. Ichverweise auf diese, für jeden Ilalurgen und Geologen lesenswerthe Abhandlung, ent-halte mich jedes Urtheils über diese Ansicht, und bemerke nur als Arzt und Phy-siologe, dafs man den Begriff von Leben und Lcbcnsthätigkeit nicht auf Processe aus-dehnen darf, die in dem lleiche des Unorganischen vor sich gehen. Athmen istOxydation, Verbrennen; Verbrennen und Oxydation aber nicht Athmen; beide Pro-cesse verhalten sich zu einander, wie ein Theil zum Ganzen.
Dieser organisch-dynamischen Ansicht vom Ursprung der Quellen undMineralquellen schliefst sich die phy sisch-dynamisch e oder galvanische an,nach welcher die Bildung der Mineralquellen durch das polare Verhalten der verschieden-artigen Gebirgslagen, in Art einer zambonischen Säule wirkend, bedingt wäre. Steffens,Wurzer, Harlefs, Ebel, Ziegler u. in. A. sprechen sich zu Gunsten dieser Theorieaus; doch fehlt es gänzlich an Thatsachen zu ihrer Unterstützung. Auch Anglada(siehe dessen MemoireSj pour servir ä l’histoire generale des eauoc minerales sulplm-reusesj Paris 1S27, I. S. 20) ist geneigt, die Wärme und den chemischen Gehaltder Mineralwasser elcctro - chemischen Kräften zuzuschreiben, und glaubt, dafsdiese Ansicht am geeignetsten sey, die Haupt-Phänomene der Thermen, nämlich ihreWärme, ihr häufiges Vorkommen in gewissen Gegenden, die Beständigkeit und Gleich-miifsigkeit ihrer Temperatur, ihrer chemischen Zusammensetzung, den Ursprung ge-wisser Bestandteile und die Veränderungen, denen sie bei gewissen allgemeinenund besonders vulkanischen Ereignissen unterworfen sind, zu erklären.
Anglada schliefst sich also der electro-galvanischen Theorie an, die unter denFranzosen, besonders von Nicolas, Fodere, Patissier u. s. w., angenommen wird.