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Synodal- und Presbyteriaiwesen
wendig. Man mag der bisher fast allein üblichen Consistorialverfaffung noch soviel- Vorzüge einräumen, gewiß ist, daß unter ihr zahllose Misdräuche und Ge-brechen in den kirchlichen Angelegenheiten festgewurzelt sind. In allen Theilen derKirchenordnung, in der Verwaltung des Kirchenvermögens, der Besetzung derPfarreien, der Art der Besoldung der Geistlichen, in der Liturgie, der kirchlichenDisciplin !c. sind Verbesserungen dringend nothwendig geworden. Durch bloßesdirigiern von oben her wird sich aber wenig dafür ausrichten lassen. Die Behör-den kennen nicht genau genug die wahren Bedürfnisse und Gebrechen. Die Bes-sern aber und die Einsichtsvollern in der Gemeinde haben keinen Beruf oder kei-nen Muth, mit ihren Vorschlägen zu Verbesserungen hervorzutreten, weil sie dasMiSfailen der Behörden fürchten müssen. Die Kirche muß daher gesetzlich begrün-dete Organe haben, durch welche sie ihre Wünsche und Bedürfnisse und die Zu-stände des kirchlichen Leben« zur Kenntniß der Behörden zu bringen vermag unddurch welche die Einzelnen aulorisirt werden, selbst Hand an das Werk zu legen.V-rde,Irrungen müssen von unten her ausgehen, in Anregung gebracht, wennauch nur von oben durch die Behörden ausgeführt werden. Neben dem Principder Stabilität, da« der Kirche in den Consistorien gegeben ist, müssen sie in denPresbytern» und Synoden auch ein Princip des Fortschrittes erhalten. Doch wiebedeutend auch der Gewinn an reellen Verbesserungen sein mag, den die Kircheaus einer freien Presbyterial-und Synodalverfaffung zu ziehen hoffen darf, grö-ßer noch ist vielleicht der an kirchlich-religiösem Gemeingeist. Eine der traurigstenErscheinungen in unserer Zeit ist die völlige Gleichgültigkeit und Adgestumpftheitgegen alles Kirchliche und das öffentliche Leben der Religion, die Theilnahmlosig-keir, die Zurückgczogenheil von allen Angelegenheiten der Kirche. Welche» auchdie Ursachen dieser Erscheinung sein mögen, gewiß ist, daß nach der bisherigenrein monarchischen Gestaltung und der politischen Unterdrückung des kirchlichenLebens, die Mitglieder der Gemeinden von einer thätigen Theilnahme an denAngelegenheiten der Kirche völlig ausgeschlossen und auf eine passive Theil-nahme beschränkt waren. Gemeingeist aber ist nur da möglich, wo Alle zu ge-meinsamer Thätigkeit vereinigt sind. Man eröffne also allen Mitgliedern der Kircheein freies Zusammenwirken für die Zwecke der Kirche, man lehre dadurch jedenEinzelnen die Sache der Kirche als seine eigne Sache ansehen und Liebe und Ach-tung für die Kirche wird wieder erwachen, und der kirchliche Gemeingeist wird inneuer Kraft und Frische erstarken und dadurch auch den religiösen Sinn lebendigererregen. Allerdings soll man sich nicht mit der zu kühnen Hoffnung täuschen, al^ob die Flamme der religiösen Begeisterung nur durch diese freien Verfaffungsfor-men der Kirche von Neuem entzündet werden und das ganze innere Leben des Vol-kes ergreifen würde. Die Entwickelung des religiösen Geistes hängt von tiefernGründen ab und läßt sich nicht durch äußere Vecfaffungsformen bestimmen; abergleichgültig sind diese Formen darum doch nicht für den Geist, und eine wohl-thätige Rückwirkung auf diesen läßt sich gewiß von jenen erwarten, da sie ihm cineangemessene Sphäre seiner Thätigkeit eröffnen. Mit diesem kirchlich-religiösenInteresse an freien Presbyterial- und Synodalverfaffungen verbindet sich aber end-lich auch noch der Geist der politischen Freiheit, der unsere Zeit so gewaltig beherrscht,.Im Gebiete des geistigen Lebens stehen die Erscheinungen nicht so abgesondert von-einander da, baß sie nicht einander gegenseitig bedingen. Das religiös-kirchlicheLeben kann daher nicht eine dem bürgerlichen Leben entgegengesetzte Richtung neh-me«. Derselbe Geist der Freiheit, der sich in dem politischen Leben so mächtigregt, verlang« auch im kirchlichen Leben seine Befriedigung. Jederzeit haben sichdie Verfassungen der Kirche nach der Analogie der SlaatsverfaffiUigen und demPolitischen Charakter der Völker gebildet. Die republikanische Schweiz hat dierepublikanischen Formen der calvinistischcn Presbytcrialverfaffung erzeugt, und
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