!!t!6 Spanien seit dem Tode Ferdinand Vll.
drei andem, sich den Prätendenten vom Halse zu schaffen, und danach seine An-stalten traf. Gegen die möglichen Folgen einer solchen einseitigen Jnlerventionman mochte sie nun dulden oder zu verhindern oder zu strafen versuchen, mußtenall« Bedenklichkeiten wider ein gemeinsame« Verfahren verschwinden. Schon dernächste ostensible Zweck dieses Vertrages, die Entfernung und Unschädlichmachungbeider Prätendenten, Don Carlos und Don Miguel, und die Unterwerfung ihrerAnhänger war wichtig genug. Noch wichtiger war dieses Ereigniß als erstes osfi-ciclles und bedeutend praktisch eingreifende« Zeichen der faktisch schon seit längererZeit bestehenden und sich entwickelnden Analogie in der politischen Stellung dervier Regierungen und eines großen Theils der ihnen unterworfenen Völker, alSZeichen eines im Gegensatze zu dem längst bestehenden nordöstlichen System derPolitik, sich bildenden südwestlichen Systems. Eben weil diese Verbindung in derNatur der Sache, in den Interessen der Betheiligtcn liegt, ist es ziemlich gleich-gültig , ob jener Vertrag auch schon über die enkferntcrn und weitem Zwecke undMittel dieses Systems noch nähere, geheime Bestimmungen enthielt, oder nicht.Eden deshalb bedurfte es auch über die Ausführung des nächsten ostensiblenZweckes, der Intervention in Portugal nur sehr allgemeiner Bestimmungen. Indieser Hinsicht übernahm Spanien die Initiative, indem ein spanisches Corps inPortugal einrücken und Don Carlos vertreiben sollte. Don Miguel brauchte dabeinicht ausdrücklich erwähnt zu werden, da es sich von selbst verstand, daß nachdemMaria da Gloria als Königin anerkannt worden, und diese Don Carlos Preisgab, jeder etwanige Widerstand von Seiten Don Miguel'« und seiner Anhängermit Gewalt beseitigt werden konnte. Nur im Fall diese Maßregeln nicht hin-reichen sollten, war die militairische Mitwirkung von Seiten Englands und Frank-reichs verabredet, zunächst von der Seeseite. Über die eventuelle Mitwirkung derübrigen drei Mächte zur Herstellung der Ruhe in Spanien und nach Vertreibungder Prätendenten in Portugal, wurde nichts bestimmt. ") Der Zweck in Portu-gal wurde übrigens schnell und vollkommen erreicht. Noch ehe der Vertrag inLondon abgeschlossen war, rückte am 15. Apr. ein spanisches CorpS von5 — KOVV Monn unter Rodil In Portugal ein, nöthigte den Prätendenten mitseinem kleinen Haufen zur eiligsten Flucht, wobei der Jnfant selbst einige Malnur mit genauer Noth der Avantgarde unter Juanena entging und Kassen undGepäck einbüßte, besetzte ohne Widerstand Almeida, und einige andere Plätze, undda Don Miguel endlich selbst keine Hoffnung mehr blieb sich zu halten, geschweigeDon Carlos Schutz zu gewähren, so blieb diesem nichts Anderes übrig, alsentweder sich seinen Verfolgern auszuliefern, oder Portugal eilig zu verlassen, wo-zu ihn Englands und Don Pedro'S Agenten auffoderten. Sie hatten zugleich dieMittel in Händen, ihm die Möglichkeit der Wahl zu nehmen, und so entschloß ersich schnell und schiffte sich mit seiner Familie und seinem nähern Gefolge in Albe»Gallega aus einem englischer. Kriegsschiffe ein, welches ihn am 11. Mai in Plymouthans Land setzte. Um dieselbe Zeit schiffte sich Don Miguel in SineS «in undwurde nach Genua gebracht. Zwischen dem Schicksale und der künftigen Stellungbeider Prätendenten war aber der wesentliche Unterschied, daß Don Miguel aufalle seine wirklichen oder vermeintlichen Rechte verzichtete, während Don Carlo«durchaus keine Verpflichtung der Art übernahm. Da« Betragen der puristischenund britischen Agenten in diesem Punkte mit den Rücksichten und Pflichten, diesie gegen die spanische Regierung haben mochten, zu reimen, dürste fteilich nicht
») Es leuchtet ein, daß danach eigentlich von gar keiner Intervention vonSeiten Spaniens in die innern Angelegenheiten Portugals die siede war. Spa-nien suchte seinen Feind i» Portugal auf, mit Genehmigung der anerkannten Re-gierung, und den Prätendenten, wie jede andere Gewalt außer der anerkanntenRegierung ignoriren. Auch hier eine Quasiint-rvention.
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