Druckschrift 
Vierter Band (1834) S bis Z
Entstehung
Seite
1048
Einzelbild herunterladen
 

1048 Zimmermann (Franz Joseph)

rische Thätigkeit. SeineKirchenzeitung" hat gewiß verdienstlich gewirkt (Vergl.Kirchenzeitungen), und wenn in den letzten Jahren der Absatz sich vermin-derte, so lag der Grund vielleicht ebenso sehr in der veränderten, immer mehr derPolitik folgenden Richtung des Zeitgeistes als in der Art und Weise wie Z. die Zei-tung besorgte. Es erging ihm, wie es auch wol Andern ergangen ist, deren guterWille deshalb nicht grade verdächtigt werden darf. Er haltePatriotische Predig-ten zur Zeit der Wiederbefreiung Deutschlands" (Darmstadt 1814), herausgege-ben, als aber später der Gewinn dieser Wiederbefreiung in anderen Lichte sich zeigte,schien er darauf nicht zu achten, und galt bald, gewiß mehr als er eS verdiente, inden Augen des PublicumS für einen Eiferer, der gegen das Jntereffe der Völkerauf der Kanzel spreche. Ähnliche Anfechtungen erfuhr er namentlich in der Zeit-schrift:Der Freisinnige". Es ist auffallend, daß Z. trotz dieser Färbung seinerhomiletischen Arbeiten und seiner schriftstellerischen Leistungen überhaupt, welcheauch in dieAllgemeine Kicchenzcitung" überging, am Hofe für zu freisinnig galt.Als Prediger entwickelte 3. schon früh bedeutende Gaben. Eine volle Stimme undviel Modulation unterstützten ihn, und seine Predigten, die theils einzeln, theilsgesammelt (8 Bde., Darmstadt 1815 31) erschienen, waren trefflich entwor-fen, geistvoll und kräftig ansprechend. Nicht ohne Grund tadelte man jedoch die beiseinem Vortrage zuweilen hervortretende Affcctation und ein allzu sichtbares schim-merndes Bemühen. Durch die Sammlung vonPredigten für die GemeindeMühlhausen (2. Aufl., 2 Bde., Darmstadt 1826) hat er sich auch ein achtbaresDenkmal gesetzt, wiewol er diese Angelegenheit zu sehr dem merkantilischen Jnter-effe überließ, wodurch er sich starke Vorwürfe zugezogen hat. Für die Verbesserungdes Schulwesens im Großherzogthum Hessen hat Z. vielfach wohlthätige Anregunggegeben. Er war wahrscheinlich zur Würde eines Prälaten bestimmt, als er am 24.Jun. 1832 nach kurzcrKrankheit starb. Zu einem Denkmal für ihn auf dem Kirch-hofe zu Darmstadt wurde mit glänzendem Erfolge eine Sammlung in ganz Deutsch-land veranstaltet. (16)

Zimmermann (Franz Joseph), geboren am 21. März 1795 zu Wend-lingen, einem jetzt großheczoglich kubischen Dorfe be.i Freiburg im Breisgau, derSohn eines arbeitsamen Landmanns, wurde schon früh für k-en Feldbau bestimmt,welchem er auch bis in sein zwanzigstes Jahr oblag. In der Schule hatte erschon in den frühesten Jahren unter der Leitung ausgezeichneter Pfarrer, einentüchtigen Grund für spätere Zeiten gelegt. Die Örtspfarrer wurden auf ihn auf-merksam und bald machte Z., ungeachtet er von den Seinigen zum Studiumnicht bestimmt war, in Freistunden unter ihrer Leitung In den Anfangsgründendes Lateinischen glückliche Fortschritte. Während er das Feld bauen mußte, übtesich sein Verstand durch fleißig fortgesetztes Studium der Mathematik und durchdie Lecture geistreicher Schriften. Noch als Bauernknecht las Z. auf der Dach-kammer, im Stalle oder am Fuße des nahen Schonbergs die Schritten Voltaire'«und Rouffeau'S; in seiner Heimat gibt es nämlich noch jetzt mehre Bauern,'welchevon den KriegSzeiken her geläufig die französische Sprache reden, und mit denensich Z. häufig unterhielt. Im Herbste 1814 begann er in Freiburg seine Studien,um sich der Theologie zu widmen, fühlte aber sich bald mehr von der Philosophieangezogen. Das Princip von einem unbedingten Hingeben an die Autorität undUnfehlbarkeit eines Dritten, die katholischen Lehren vöm Papstthum, Mönchthum,Cölibat, Transsubstantiation, UnauflöSbarkeit der Ehe erschienen ihm schon da-mals als Irrthümer. Er suchte daher eine Gelegenheit, um das Joch der Hierar-chie abzuschütteln und !m Kreise eines vorurtheilslosern ForschenS sich frei bewegenzu können. Diese wurde ihm durch den nachmals nach Heidelberg versetzten Pro-fessor Erhardt, der durchaus nicht entschiedener Anhänger Schelling's, son-dern der Partei der Rationalisten in lh:ologischen Dingen zugethan und damals

W

iii»

jebkl

Mi

»I!»

r»

M»l

!>U«

jckl

sw,

! UMU

' Aeckbit,fi«ÄU

U

bik

ick

>>»:

W

i«

»

i>

t»,

«!

! li,