Zeitungen und Zeitschriften IVZ3
mit Heftigkeit die Regierung, gegen welche sie sich aus gan; verschiedenen Absich-ten vereinigt hatten, und in gleichem Tone sprachen der von zwei Franzosen her-ausgegebene „^rgus" und das „Journal 6'^uvers". Auch hier sahen sich dieMinister genöthigt, die Presse zur Einwirkung auf die Gemüther zu benutzen,wozu sie sich des von Librp Bagnano gegründeten „Rational" und gegen die Apo-stolischen des „Oourrier unirorssl" zu Lüttich bedienten. Nach der Revolutionhat der Kampf der Parteien die Polemik der Zeitungen fortdauernd angeregt. Alshie neue Regierung eingesetzt war, erhielt Belgien eine offizielle Zeitung „I-e blo-wteur beige", neben welchem besonders der „Infläperxlunt" und der „Ourrisrbeige" verbreitet sind. Nach der Trennung von Belgien gab die patriotische Auf-regung der Holländer auch den Zeitungen des Landes ein höheres Leben. DenKampf gegen die Belgier führte besonders das zu Amsterdam erscheinende,Han-seisbiaü". — In Polen vermehrten sich nach der Revolution schnell die Zeitun-gen, sowol in Warschau als in den übrigen Theilen des Lande«, und bald fandendie aufstrebenden Parteien ist ihnen ihre Organe, wie die demokratische in dek-,,Rv»» kolsira". — Während Don Miguel's Herrschaft in Portugal gab esnur Zeitungen im Ginne dcS Usurpators. Als Don Pedro Porto besetzt hatte,begann im Jul. 188? die „Oronio» onnatitucinnai" als das Amtsblatt seiner Re-gierung, und kam nach dem Siege seiner Waffen mit ibm nach Lissabon, wo sieseit dem 1 Jul. unter dem Titel „Offizielle Regierungszeitung" erscheint.Lei noch nicht ausgebildetem constitutionnellen Leben konnte indeß in Portugal sowenig als in Spanien bis jetzt eine unabhängige politische Journalistik entstehen.Spanien bat jedoch in den letzten Jahren einen Anfang gemacht, der unter denobwaltenden Verbältnissen nicht unbedeutend war, und neben der „t-scota eisUasirill" in der „ksvi-ta sspanaia" ein achtbares politisches Blatt erhalten. Inder neuesten Zeit erboben sich schon dreistere Stimmen der-'Opvosition, als die Re-gierung mit den erwarteten Bürgschaften einer neuen Staatsordnung zögerte; imMai 1884 aber wurden vier Opposirionszeikungen unterdrückt, die nach den Wor-ten der Hofzeikung dem Geiste des neuen Staatsqrunbgesctzes (Oetatuto r ni>feindlich gewesen waren. — In der Schweiz hatten die Wirren seit 18.80 einen be-deutenden Einfluß aufdie Zeitungen, die ffüher, bis auf einige achtbare Blätter, z. B.den von Aschokke herausgegebenen „Schweizerboten" und die „Neue zürcher Zei-tung", nur in Beziehung aufdie Angelegenheiten des Landes einiges Interesse dar-boten. In dem Kampfe, der sich zwischen den Verfechtern und den Gegnern deralten Aristokratie erhob, erbielt jede Parte ibre Wortführer, wie die freisinnige„Appenzeller Zeitung", „Der schweizerische Republikaner", die „Heivetls", die„8en»',i>ells" ,'n Gensund Andere, die das Bedürfniß einer gänzlichen Umwand-iunq der Bundesverfassung im rein demokratischen Sinne verfochten; der „Os-lierai" In Genf, der „Erzähler von Sankt Mallen", welche zu vermitteln suchten,der „Waldstädter Bote", die „Basier Zeitung", die Organe des starren Aristo-kratismus und des gefallenen PatriziatS. — Griechenland erhielt, wie in den be-treffenden Artikeln (Griechenland, KaxodistriaS und Otto) angedeutetworden ist, bald nach dem Beginn des großen Unabhänqigkeitskampfes außer denBlättern, welche von den Regierungsbehörden zu ihren Organen gemacht wurden,auch andere Sprecher der verschiedenen Parteien. Der „Oonrrier ä'Oriont", spä-te: „Oourrior <>e In slrsr.s" genannt, und die „Allgemeine Zeitung von Griechen-land" in neugriechischer Sprache, waren die amtlichen Blätter der Regierung desGrafen Kapodistrias. Das bedeutendste Oppositionsjournal, „Apollon", gabPolyzoides heraus. In Nauplia erscheint außer der Zeitung „Sotur" seit 1884auch das dreiste Oppofllionsjournal „Minerva". — Unter den übrigen europäi-Staaten bietet nur in Schweden das Zeitungswesen eine eigenthümlicheSeile dar. ES gibt da ein Element einer politischen Journalistik, eine Opposition,