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Zeitungen und Zeitschriften
presse nicht für diese Mittheilungen benutzte, so möchte man jetzt in manchenLändern solche Vormundschaft über die Gemüther der Staatsbürger üben, wennes möglich wäre. Auch Papst Gregor XIII. schien die Sache so zu betrachten, daer in seiner Bulle gegen die Blätter der ersten italienischen Zeitungsschreiber, diemennnti hießen, sie als miuuutos, von einem lateinischen Stamm,«orte abge-leitet, als Drohende bezeichnete. In.England ging die erste Zeitung „Düo eng-ilrk ülercNrio" unter Elisabeth (1688) gleichfalls aus der königlichen Buch-druckern hervor *)j aber dort wurden auch während deS Kampfes im 17. Zahr-hunderte, wo die große. .Frage über die WolkSrechte, der unbeschränkten Fürsten-gewall gegenüber, mit dem Schwerte verhandelt wurde, die ersten regelmäßig er-scheinenden Zeitungen, die damals begannen, von den Vertheidigern der Willkür-herrschaft wie von den Derf.chtern des Widerstandsrechts benutzt, ihre Meinungenzu verbreiten/*) Es ist merkwürdig, wie sehr die Art der Mittheilung von Nachrich-ten in jenen alten englischen Zeitungen der heutigen gleicht. Während i» jenen An-'sängen schon die kräftige Eigenheit der späteren Zeit deS rüstigen politischen Mei-nungSkampfcS sich ankündigte, beschränkten sich die ersten regelmäßigen deutschen Zei-tungen — Privatunternehmungcn zuerst seit 1617 — auf schlichte Berichte vonHaupt- und StaatSactionen und kamen früh unter die Eensur der Regierungen.Auch in Frankreich war der Anfang der Zeitlrngcn charakteristisch. Wie Saint-Foix („Lasurs ki-torigues -ur ?sris") erzählt war der Arzt Renaudot zu Parisein eifriger Rcuigkeitensammlcr, seine Kranken zu unterhalten; um aber seineSchätze noch besser zu benutzen, gab er seinen Bekannten wöchentlich ein paarFlugblätter mit Neuigkeiten aus verschiedenen Ländcm und erhielt darauf 1632ein Privilegium. Da ist die Salonspolitik im Keime. In den kleinlichen Partei-kämpfen der Fronde wurde die politische Polemik durch einzelne Flugblätter ge-führt. Aber auch das englische ZeitungSweftn kam nach der Revolution erst all-mätig zu kräftiger Entwickelung, nachdem die Regsamkeit des Volkslebens dasVerbot der Bekanntmachung der Parlamentsverhandlungen unbräuchlich gemachthatte, und schnell stieg seitdem, frei von den Fesseln der Staatsaufsicht, die Frei-heit der Erörterung, bis sie 1769 in den JuniuSbriefen ihre kühnste Spitze er-reichte, und immer mächtiger wirkten die Zeitungen auf die Stimmung des Vol-kes und feine politische Bildung. Diesen Eharakter haben die Zeitungen behalten,und selbst die Beschränkungen, die Pilk ihnen auflegte, sie nicht lähmen können.Sie wurden das Vorbild überall, wo die politische Literatur auf dem Festlandeentfesselt ward, und cS ist eine erfreuliche Erinnerung, daß vor der französischenRevolution in Deutschland vchl dem cenfurfceien Schlözet in seinen „StaalSan-zeigcn" mit britischer Freimüthigkeit gesprochen werden durste, bis die Furcht derRegierung vor dem Schteckbild der französischen Propagarida ihm den kühnenMund schloß. Seit der Revolution hat das ZeitungSweftn auf dem Festlandeeine höhere Bedeutung erhalten, und je mehr die Wirkungen und Folgen derselbenvom Rhein bis zu den Alpen und dem Belt in das europäische Staatsleben ein-griffen, desto mehr wurden die Zeitungen, durch die Mittel, die sie darboten, ausden Volksgeist im Zustande der höchsten Erregung zu wirken und daS Volk überseine Interessen zu belehren, mächtige politische Maschinen, desto mehr machtensie, tausendaugige Wächter, die Laufbahn des Staatsmannes schwieriger als infrühern Zeiten. Auch unter der Herrschaft Napoleon's, der die Zeitungen nur zuseinen Zwecken benutzte, ward eben dadurch unter den Völker» das Gefühl von derWirksamkeit dieses Hebels lebendig erhalten, und als der Druck hinweggenommen
*) Früher waren auch in England solche Mittheilungen handschriftlich. Dosälteste bekannte Blatt des „dlercnrio" Nr. 50 vom 2S. Jut. 1S8V, befindet sieb!m britischen Museum.
') Bergt, D'JSranli'S „llurlo-iric» ok literaturc".