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Vierter Band (1834) S bis Z
Entstehung
Seite
717
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Univcrsltätswescn 7!7

düng aber werden gewiß nicht sicherer vermieden, als durch tiefe und gründliche wis-senschaftliche Aufklärung. Nur politische Verblendung und Unwissenheit konntedie unsinnigen Revolutionsplane hervorbringen, die wir neuerlich von Studentenausgehen sahen, nur sie konnte diese den Verlockungen wahnsinniger Schwindel-köpfe und Freiheitsprediger preisgeben. Wenn die freie Mittheilung der Wissen-schaft unterdrückt ist, dann hat die Afterweisheit und leichtsinnige Neuerungssuchtallein freies Feld, und bemächtigt sich nun ungehindert der unbefangenen Gemü-ther der Jugend. Dieses feste Vertrauen auf die Macht der Wissenschaft ist es,das selbst RlngSeis in seiner bekannten Rede:Über den rcvolutionnairen Gclstausdeutschen Universitäten" (München 1833), obgleich ihm von seinem strengaristokratischen und hierarchischen Gesichtspunkte aus der freisinnige Geist aus denUniversitäten doppelt gefährlich und verderblich erscheinen mußte, aus das entschie-denste ausspricht, und worauf er hauptsächlich seine nachdrückliche und tüchtige Ver-theidigung der freien Universitätsverfassung gründet.

So wäre also nur noch die Eine Möglichkeit übrig, daß die Freiheit desBurschenlebens jene verderblichen Verirrungen der studirenden Jugend verschul-det hätte, allein auch dies muß in der Hauptsache bestrittcn werden. Blickenwir auf die Geschichte des StudentcnlebenS der letzten Jahre, seitdem der poli-tische Geist hier stärkere Wurzeln gefaßt hat, und wir werden unableugbar dar-aus die Wahrheit hervorleuchten sehen, daß nicht die Freiheit des Studentcn-lebens an sich, sondern vielmehr die Störungen der freien Bewegung desselbendes Studentenlebens, jenen politischen Geist irre geführt und verderbt haben. DieSchicksale der Burschenschaft, des Hauptgegenstandes der politischen Verdamm-niß, beweisen dies hinlänglich. Hervorgegangen aus der ganz loyalen, reinendeutsch-patriotisch Begeisterung für die äußere Freiheit und dieWürde des deutschenVolkes, war diese Verbindung anfangs von untadelhafter, ehrenwerther Tendenz.Sie war vorzugsweise von einem Geiste deS sittlichen Ernstes beseelt, durch Ein-fachheit, Mäßigkeit, Geradheit, Keuschheit wollte man sich sittlich zum Dienstedes Vaterlandes vorbereiten. Ihres edeln Strebens sich bewußt, handelte sieöffentlich. Die außerordentlich heilsamen Wirkungen dieser Burschenschaften,welche sie wenigstens da, wo ihnen ungestörte Freiheit, sich zu entwickeln und wirk-sam zu erweisen gegeben wurde, für die sittliche Verbesserung des grade damals inden bisher herrschend gewesenen Landsmannschaften oder Corps auf das äußersteverwilderten und verdorbenen StudcntenlebenS hervorbrachten, können nur vonDenen bestricken werden, welche diese Verhältnisse ,'m Einzelnen nicht kennen odernicht kennen wollen. *) Von politisch gefährlichen Grundsätzen oder Planen war

') Eine kleine anonyme Schrift:Deutsche Jagend in weiland Burschenschaftenund Turngemcindcn" (Magdeburg I8L8), gibt uns aus eigner Anschauung ein sehrtreues und deutliches Bild von dem Leben und Treiben in der Burschenschaft zuJena während ihrer Blüte in den Jahren 1817IS. Sie gibt unter anderm fol-gend, Schilderung des Geiste« in der Burschenschaft:Ein brüderliches Du boballe fdrmliche Entfernung der sämmtlichen Mitglieder aller Burschenschaften aus-Eine gemeinsame Tracht, der deutsche Rock, sollte das einfache äußere Erkennungs-zeichen fein, und die Gebildeter» strebten stets danach, Sittsamkeit und Einfachheitnicht blos in diesem Schnitte des Rockes zu offenbaren. Sie strebten dahin, durchihren Wandel diesem äußern Bekenntnisse keine Schande zu machen, und wol mochtees geschehen, daß diese strenge Aufmerksamkeit auf sich selbst ihrem Wesen einenAnstrich finster» Ernstes verlieh, der mit der Frische ihrer Wangen und der Jugendihres Alters im Widerspruch zu stehen schien. Allein Alle waren fröhlich und hei-ter und nur der Unfreiheit und Unsitttichkeit Feinde. Während Andere beim Glasedem Muthwillen ihrer Jahre freies Spiel gestatteten, tummelten sie die üppigestraft auf den Turnplätzen aus. Sie waren in größer» oder kleinern Kreisen ihrerFreunde und Genossen heiter und unbefangen, allein sie suchten das rechte Maßdes Genusses und stinmlen nicht gegen Bernunft, Gesundheit und Sitte." Be-