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auch, daß da, wo die Disciplinargcwalt über die Studenten in die Hände der Se-nat- gelegt worden ist, diese, aus der grundfalschen Politik, daß durch strengeStrafen, Wcgschickungen und dergleichen dem guten Rufe oder der Frequenz derUniversität geschadet werden konnte, mit zu großer Schlaffheit und Nachsicht aus-geübt worden ist, und daß dadurch ein sittenloses und unordentliches Leben einge-riffenist; aber um dieser einzelnen Misbräuche willen die besondere akademischeGerichtsbarkeit ganz den Universitäten zu entziehen, würde keineswegs rathsamsein, da mit dieser das Institut der Burschenfreiheit ebenfalls untergehen würde.Die zahlreichen andern Beschränkungen der Burschensrcihcit, die auf den verschie-denen Universitäten und von den verschiedenen Regierungen aus verschiedene Weisestattgefunden haben, können natürlich nicht im Einzelnen aufgezählt werden; un-ter ihnen aber sind die ängstlichen Maßregeln zur Erschwerung und Beaufsichtigungder Reisen der Studirenden, die kürzlich getroffen worden sind, merkwürdig, wo-mit schonungslos eines der herrlichsten Mittel zur Charakterbildung und Geistesbil-dung überhaupt fast ganz vernichtet wird.
Mit der Burschcnfreiheit im engsten Zusammenhange steht das politische Le-ben und Treiben der studirenden Jugend, welches, da cö neuerlich am meisten dieAufmerksamkeit derRcgierungcn auf die Univcrsitäten gerichtet und zugleich das MiS-lraucn derselben gegen sie erregt hat, das ihnen nun eine Umgestaltung ihrer Ber-fassung zu bringen droht, hier noch eine besondere Betrachtung verdient. Unleug-bare, vor Aller Augen offen liegende Thatsachen von sehr starken und zum Theilhöchst strafbaren politischen Berirrungen der studirenden Jugend — wir erinnernnur an das schon mehrmals erwähnte rasende und verbrecherische Attentat einerSchar von Studirenden in Frankfurt — bezeichnen allerdings eine krankhafteStelle des gegenwärtigen UniversttätSwesenS, welche der Heilung bedarf, und foderndie Regierungen zu einem kräftigen und weisen Einschreiten, zur Bestrafung derThäter sowol als zur Verhütung ähnlicher Ausbrüche auf. Wenn man aber dar-auf die Nothwendigkeit gründen will, die Verfassung der Universitäten wesentlichumzuändern, namentlich ihre Freiheit zu beschränken oder sie wol gar ganz aufzu-heben, so kommt dabei Alles auf die Beantwortung der Hauptfrage an: ob derGrund dieser politischen Berirrungen der studirenden Jugend in den Universitätenliege, ob sie die Schuld derselben tragen, und diese Frage können wir unbedenklichmit einem entschiedenen Nein beantworten. Nur die gänzliche Verblendunggegen den Geist der Zeit und den Gang der Geschichte kann des Glaubens sein, daßder Geist der Freiheit, der unsere Zeit bewegt, in den Universitäten erzeugt wordensei und erst von da aus sich allgemeiner ausgebreitet habe; daß er nur von einzel-nen Neuerungssüchtigen Professoren erfunden worden und von gewissen verderb-lichen wissenschaftlichen Theorien ausgegangen oder auch in den geheimen Verbin-dungen der Studenten ausgebrütet worden sei. Längst schon bestand ja dieselbefreie Verfassung der Universitäten, die sie jetzt haben, und dennoch zeigte sich keineSpur von jenem politisch freisinnigen und revolutionnairen Geist in ihnen, so langedieser Geist nicht in der Zeit lebte. Nur der Wahn einiger blind fanatischen Ultrasist es, der, was der Gang der Geschichte oder der Geist der Zeit mit gebietenderNothwendigkeit fodert, nur zufälligen Ursachen, nur einzelnen Männcm oderGrundsätzen oder Anstalten, wie hier den Universitäten, zuschreiben möchte. Ausdiesem Geiste der Zeit und der Nothwendigkeit der Geschichte ist vielmehr vollkom-men hinreichend das politische Treiben auf den Universitäten zu erklären. Mit un-widerstehlicher Gewalt fodert dieser Geist der Zeit, die großen Ideen von gesetzlicherFreiheit und Rechtsgleichheit in das Leben zu führen, aus welchem jenes allge-meine begeisterte Streben für Selbständigkeit der Völker, freie öffentliche Formendes Staatslebens, feste Garantien der Volksrechte, freie Repräsentation des gan-zen Volkes hervorgegangen ist, ein Streben, an welchem alle Stände Theil genom-