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lliiivcrsitätswcsm
Leben, daß ein höherer, der wahrhaft wissenschaftliche Geist soll erregt werdenDieses aber gelingt nun einmal nicht im Zwang, sondern der Versuch kann nur an-gestellt werden in der Temperatur einer völligen Freiheit des Geistes. Zur Wissen-schaft und zum Erkennen, welches den Menschen befreit vom Dienst jeder Autori-tät, kann er nur kommen, indem man lediglich durch die Erkenntniß und durch keinanderes Mittel auf ihn wirkt, indem man schon die Kraft in ihm voraussetzt, welcheihn entbindet, irgend einer Autorität zu dienen, als nur insofern sie sein Erkennenwird, und also aufhört Autorität zu sein". Freilich setzt diese Studirfreiheit, wennsie nicht nachthcilig sein soll, einen gewissen Grad der Reife und Selbständigkeit desCharakters bei den Studirenden voraus, aber eben dieser Grad von Reife wird auchschon für die Aufnahme und Aneignung der ernsten, tiefern Wissenschaft in intel-lektueller Hinsicht gefedert, ohne sie also gebricht es überhaupt an der Fähigkeit zurTheilnahme an dem Univcrsitätsstudium, und der Nachtheil, der für solche Unfä-hige aus der Studirfreiheit hervorgehen mag, darf nicht der Universität und ihrenEinrichtungen zugerechnet werden, sondern vielmehr Denen selbst, die zu unreif aninteUectucller Kraft und an Stärke des Charakters die Universität beziehen. Des-wegen kann nicht ernst genug gegen den zu frühen Übergang von der Schule auf dieUniversität, wie cS heutzutage immer häufiger wird, gewarnt werden. Wenn abereingewendet wird, daß doch der Erfahrung gemäß die Meisten die ihnen dewilligleStudüfreiheit mehr oder weniger misbrauchen und durch Unfleiß und Vergnü-gungssucht die dargebotenen Mittel zur wissenschaftlichen Ausbildung ungenutztlassen, nur sehr Wenige dagegen sich ihrer zu einem freien begeisterten Streben fürdie Wissenschaft bedienen, so ist damit nur die nicht zu leugnende Bemerkung be-stätigt, daß die Mehrzahl der zum Studiren Bestimmten die Anlage und den Sinnfür wahre Wissenschaft nicht in sich tragen und deswegen auch nicht durch Zwangzu wissenschaftlicher Ausbildung gebracht werden können, im Gegentheil würdeman durch diesen den Funken des wissenschaftlichen Geistes auch in Denen, die da-mit beseelt sind, auslöschen, auf welche doch die Einrichtung der Universität haupt-sächlich berechnet sein muß, da nur sie dem nächsten Zwecke derselben zu entsprechenfähig sind. Dennoch aber hat die Studirfreiheit auch faetisch bei weitem härtereEingriffe erfahren müssen, als die Lchrsrciheit. So hat man in einigen Ländern,wie z. B. in Baicrn, die Studirenden in bestimmte Vorschriften eingezwängt,welche Vorlesungen und in welcher Ordnung sie dieselben hören müssen, mit häu-figen Prüfungen über die gehörten Collegien während der Studienzeit, mit stren-ger Aufsicht über den Besuch der Collegien belastet ic., alles Maßregeln, wodurchman nur das mechanische Lernen befördern kann, den freien Geist der Wissenschafthingegen nothwendig unterdrücken wird. Zu den Verletzungen der Studirfreiheitaber gehört auch die ebenfalls neuerlich wieder erschienene Maßregel derUnivcrsitäts-fperrc, die nicht allein in dieser Hinsicht höchst verderblich und ungerecht ist, da sieden eignen Landeskindern den Genuß der wissenschaftlichen Anstalten des Auslandesentzieht oder doch erschwert, und sie dadurch des trefflichen Bewahrungsmittels gegenwissenschaftliche Einseitigkeit, das in dem Besuche mehrer Universitäten von verschie-denem Geist und verschiedener Richtung liegt, beraubt, sondern auch überdies einensehr undculschen Geist verräth. Wenn unter uns Deutschen nicht einmal die Wis-senschaft als vollständiges Gemeingut gelten und uns geistig zu Einem Volke ver-einigen soll, wenn auch in wissenschaftlicher Hinsicht jede Provinz sich chinesisch vonder andern abschließen will, was bleibt uns dann noch als Band der gemeinsamenNationalität übrig ? Nicht zu hart ist es, wenn Schlciermachcr über die Universi-rätssperre sagt, es sei „ein Hochmuth, eine Jlliberalität, eine Selbstsucht, die mehrals irgend etwas eine solche Regierung bei allen Gebildeten der Nation verhaßtmachen muß". Am übelsten berüchtigt und am meisten bestricken und verfolgt, selbstzum Theil von Denjenigen, denen das Wohl der Universitäten wahrhaft am Herzen