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Türkei seit dem Frieden zu Adrianopel
Flotte wurden von kriegerfahrenen fremden, meistens französischen Ossizicr.n an-geführt. Den Oberbefehl hatte der Sohn des VicekönigS, Ibrahim Pascha "),ein Feldherr, welcher an Talent, Kühnheit und Energie die türkischen Heerführerübertraf, und an Schlauheit kaum seinem Barer nachstand. Gaza, Jerusalem,Jaffa und Caiffa, wurden noch in diesem Jahre ohne Widerstand besetzt. DieFlotte ankerte bei Tripoli in Syrien. Der Vicekönig heuchelte jedoch fortwährendtreue Ergebenheit gegen die Pforte, und gab vor, er wolle den Pascha von Sy-rien, Abdullah, züchtigen, welcher schon seit einiger Zeit dem Sultan nicht ge-horchte, mit dessen Unterwerfung aber die Pforte bisher sich nicht hatte beschäfti-gen können. Die eigentliche Veranlassung zu diesem Kriegszuge gab jedoch der Wi-derstand, welchen Abdullah Pascha gegen das System des VicekönigS zeigte **).Der Vicekvnig wollte nämlich der industriellen Entwickelung Ägyptens und seinemMonopolhandel neue Quellen des Absatzes durch die Eroberung des Nachbar-landes eröffnen, und der Besitz von Akre, in welcher Festung Abdullah seineSlreitkräfre vereinigt hatte, war für Ägyptens Sicherheit und Unabhängigkeitebenso wichtig, als für dessen Handel und für die Behauptung der Insel Kandia.Übrigens glaubte man, daß Frankreich mittelbar oder im Geheimen des VicekönigSAbsichten begünstige, um in der Levante und im Orient überhaupt sich neuenEinfluß zu verschaffen und dadurch gegen Rußland eine vortheilhastere Stellungzu gewinnen. Zwar schickte der Sultan an Mohammed Ali durch einen Minister desReichs, Mustapha Nasif, einen Ferman, worin er beide Theile, den Vicekönigund den Abdullah Pascha, zur Ruhe ermähnte. Eine Ministercommission solltedie Iwistigkeiten zwischen Beiden schlichten und der Vicekönig seine Truppen undSchiffe von Akre zurückziehen. Auch überbrachte Mustafa Nasif eine Depeschedes Großmufti, der im Namen der heiligen Gesetze die Nothwendigkeit jenes Rück-zuges darstellte. Als aber diese mehrmals wiederholten Auffoderungen ohne Er-folg blieben, und Ibrahim (am 3. Dec. 1831) die Belagerung von Akre wirklichunternahm, so ward der Bannfluch gegen Mohammed Ali und dessen Sohn Ibra-him in Konstantinvpel feierlich ausgesprochen ***), und allen Muselmännern die
*) Nach dem Tagebuche eines französischen Offiziers vom Generalstabc des Mar-schalls Maison, der im Sept. 1828 mit Ibrahim Pascha die Räumung Morcasvon den ägyptischen Truppen bewirkte, ist Ibrahim ein Mann von (damals) erwa40 Jahren, mittlerer Größe und sehr kräftigem Körperbau. Seine Augen sind leb-haft, seine Gcsichtszüge regelmäßig, sein Blick finster mit einem gewissen Ausdruckvon Wildheit. Er ist vollkommen bewandert in der Geschichte der französischenKriege. Aus seinem Munde vernahm jener Offizier, daß er blos der adoptirteSohn des Bicekönigs sei, der seine Mutter geheirarhet habe, als er, Ibrahim, erstein Kind von drei Jahren war. Ibrahim hatte schon in den Feidzügen gegen dieMamtuken und Wechabiten Beweise von großer Tapferkeit, Ausdauer und miu-tairischcn Talenten gegeben. Er ist im Feldlager sehr thätig und hielt streng aufOrdnung. Die treffliche Haltung seiner Truppen verdankt er ausländsichen Offizie-ren, die sein Vater in seine Dienste genommen hatte, namentlich den Obersten Scvä(gegenwärtig Sslim Bei genannt), der über die Infanterie gesetzt war, und einempolnischen Offizier, Namens Schulz, der früher im Dienste Napoleons, dem Kai-ser nach Elba gefolgt war, und jetzt aus dem Dienste des Pascha zurückgezogen, zuKahira lebt. Jener Renegat, Selim Bei, isi aber im Febr. 1884 aus des Vice-königs Dienste entwichen und hat eine Zuflucht IN Konstantinopel gesucht.
'*) Eine der Hauptbeschwcrden des Bi-ekönigS gegen den Pascha von Akre abersoll, nach dem „Boniteur oltoman ', darin bestanden haben, daß Letzterer den ingroßer Zahl auswandernden ägyptisch«» Bauern Schutz gewährt und sie nicht aus-geliefert habe. Darauf erwiderte der Divan, daß die arabischen Bauern Untertha-nen des Reichs, nicht Sklaven des Paschas wären, und es ihnen daher frei stünde,sich dahin zu begeben, wo es ihnen am besten gefiele. Später erfuhr man, daß derMcekönig eine Fodcrung von 8 Mill. Piaster gegen Aboullah erhoben, und dessenWeigerung, diese Summe zu bezahlen, eine Hauptursache des Kriegs gewesen sei.
In dem an den Feidmarschall von Anatolien, Hussein Pascha, erlassenen groß-