Druckschrift 
Der Stammbaum der Familie Lenz in Livland, nach einem neuen System : dazu als Pendant ein Goethe-Stammbaum nach demselben System
Entstehung
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Diesen Abonnenten liefere ich Ihr so geistvoll erdachtes Elaborat nach, sobald es eben fertigist. In der zweiten, verbesserten Auflage der Chronik erscheint mein Aufsatz dann nichtwieder. In der Hoffnung, dass Sie diesem Arrangement zustimmen werden etc.

Darauf antworte ich am 10. Oktober 1904 dem Pastor H. Kypke-Halle Folgendes:

Mit dem Arrangement könnte ich zufrieden sein, wenn mir Ihre Handlungsweise alsForscher begreiflich wäre. Ich kann es nicht klein bekommen, wie man etwas, was man selbstfür seiner nicht würdig hält, dennoch drucken lassen kann. Statt den Schnepfenthalernzu sagen: der livländische Zweig folgt umgehend in nächster Lieferung nach, stellen Sie sichselbst bloss durch Ihre Arbeit. Warum? Glauben Sie, dass es in der deutschen grossenLenz-Familie, wie z. B. im berühmten Afrikaner Oskar Lenz (geb. d. 13. IV. 1848 in Leipzig)nicht Forscher gibt, die auf diese Unbegreiflichkeit hin, Ihre ganze Lenz-Chronik inFrage stellen können? Was nun meine Arbeit anbetrifft, so habe ich seitdem wir Friedengeschlossen haben die 8 biographischen Skizzen druckfertig vor mir liegend. etc.

Auf diesen Brief erhielt ich keine Antwort. Auf meinen nun folgenden Brief, worin ichmeine Verwunderung kund gab, warum der Herr Pastor nicht meine Arbeit zum Druck einver-langt? erhielt ich endlich am29. Oktober 1904 folgendes Schreiben:

Für zwei liebe Briefe habe ich Ihrer Güte zu danken. Aufrichtig bedauere ich, dassich Sie mit meiner Antwort so lange habe warten lassen. Allein bei meinem Alter und zuneh-mender Körperschwäche bin ich nicht mehr imstande, allen an mich herantretenden Pflichtenzu genügen. Die Hauptsache aber ist, was mich genierte, Ihnen mitzuteilen: in der Fa-milien-Kasse ist nicht genügend Geld, um weiter drucken zu können. Wir schulden demDrucker für bisher geleistete Arbeiten bereits gegen 4000 Mark. Da muss erst abgewartetwerden, ob sich diese Summe durch den Verkauf von 400 Expl. der Chronik wird deckenlassen. Gegenwärtig wird sie in Leipzig eingebunden. Erst wenn diese Sache geordnetist, kann an den Weiterdruck des Werkes gedacht werden. Bitte deshalb freundlichst, Ihreso prompt vollendete Arbeit noch dort behalten zu wollen, bis sich neue Geldquellen für unsgeöffnet haben etc.

Mit cüeser unerwarteten Kaltstellung war selbstredend die Korrespondenz abgebrochen.Die obigen Briefe reden eine Sprache für sich. Tatsache aber bleibt es: 1) dass Hr. K. michgebeten hat, statt seiner verfehlten Arbeit eine neue zu liefern.

2) dass ich gutmütig diese neue Arbeit im Interesse der Familie Lenz übernahm,um den Hm. Pastor zu retten und zum Termin die Arbeit fertig stellte;

3) durfte somit der Hr. Pastor seine in Gefahr stehende Ehre, aus kleinlich materiellenGründen, nicht so gering schätzen, sondern mit Freuden alle selbstverschuldeten Unkostenübernehmen. Er hatte also

4) kein Recht, mich ad calendas graecas zu vertrösten, bis er auf fremde Unkosten imStande sein wird, den von ihm nur verschuldeten Schaden wieder gut zu machen.

Eine solche Handlungsweise nennt man in unserer ehrlichen Sprache wie? . . . Auchsehe ich nicht ein, welches Recht Hr. Pastor K. hat, die Lenz-Stiftung wie auch mich so unho-norig zu behandeln? Schliesslich sehe auch ich nicht ein, welches Recht Hr. Pastor K. hat, mitmeinem Namen als Forscher seine verfehlte Arbeit den Zahlenden gegenüber zu decken.

Nachdem ich so dem Hm. Pastor Kypke zwei Jahre Zeit gegeben habe, die ge-schilderte Unhonorigkeit in Ordnung zu bringen, was er jedoch der Mühe nicht wert erachtethat, freue ich mich, in der Verlagsbuchhandlung von Bauer & Raspe in Nürnberg ein Entgegen-kommen gefunden zu haben, um diesem traurigen Fall schleunigst ein Ende zu bereiten.