VI.
Heine's GMe.
^M?ser Atheist Eugen Dühring urteilt in „die Größen der modernenLiteratur" erschreckend scharf über Heine: „Er war nur eineKarikatur des Wahren", „die den Schein von etwas Besserem" zuerregen verstand; „er tönt wieder von manchen lyrischen Anklängenund spiegelt, wenn auch nicht von ebenmäßiger Fläche, sondern inden Zügen verschoben, mancherlei Forme» dichterischer Anslassnngs-weise, wobei ihm eine gewisse Einfachheit und naive Auffassungnicht abzusprechen ist. Sein Witz und Sarkasmns ist jedoch nurdem der in dieser Beziehung weithin berühmten Berliner Schuster-jungen abgelauscht: der judäische Spaßmacher und Possenreißer istmir der Lehensmann jener Sarkastik gewesen, die in Berlin heimischist, wie einst in Athen das attische Salz und die Sokratische Me-thode," Ohne die Atmung in der Berliner Geistesluft würde er(nach Dühring) nicht einmal die Klownrolle haben spielen können,Ironie und Sarkasmns arten bei ihm fast regelmäßig in lln-fläterei aus: Frechheit sollte ihm die mangelnde Kraft und Hans-wursterei den Mangel an echter Komik und wirklichem Humor er-setzen, Mit solchen Mitteln, schließt Dühring, hat er sein vonvornherein häßlich krankes Poetereileben flackernd und dunstend bisan die äußersten Grenzen hingezogen und so ein kennzeichnendesBeispiel von Besudelung der Poesie geliefert. Schießt auch diese,von Racen-Antisemitismus eingegebene Kritik vielfach über dasZiel, so enthält sie doch manche Wahrheit. Ein Dichter, der inTheorie und Praxis die Emanzipation des Fleisches predigt, derfast immer von Freiheitsrausch und Sinnenlust singt, hat hiedurchdie Bordellpoesie allerdings geadelt, aber die wahre Sangeskunstgeschändet, da er auf solche Poesien hin seinen Dichterbernf, dieMenschheit veredeln und erziehen zu helfen, gänzlich verkennt. Esliest sich darum gewiß recht sonderbar, wenn der Ausruf zurGründung eines Heine-Denkmals von ihm rühmt: „Was heute von