III.
Vaterlandsliebe.
HK^as Wort „Vaterlandsliebe" kennt Heine nicht; er gehörte mitzu jenen, von denen E. M, Arndt in der Zeit der KnechtungDeutschlands durch fremde Gewalthaber geschrieben: Es sind kalteund elende Klügler aufgestanden in diesen Tagen, die sprachen inder Nichtigkeit ihres Herzens: Vaterland und Freiheit, leere Namenohne Sinn, schone Klänge, womit man die Einfältigen bethört;wo es dir gut geht, da ist dein Vaterland. — Zu diesem Patrio-tismus bekannte sich Heine: „Ilki kmre, ibi putriu" war seine Losung.Er war von Geburt ein Deutscher, aber alles Deutsche war ihmzuwider: „Alles Deutsche wirkt auf mich wie ein Brechpulver". Indem Gedichte „die Wahlesel" variiert er bis zum Überdruß dasThema:
Der große Esel, der mich gezeugt,
Er war von deutschem Stamme;
Mit deutscher Eselsmilch gesängtHat mich die Mutter, die Mamme.
„Ein Enkel von Langohren", „ein deutscher Esel" zu sein,dünkte ihn höchste Wonne. Heine hatte ganz Recht, meint psorut.Staarstecher, „die Bewohner seines lieben Vaterlandes Esel zunenne»; er streifte die Eselshaut ab und ließ sich die Livrve einesfranzösischen Staatspensionairs anziehen — ein wirklicher deutscherEsel ist dazu nicht im stände". Heine's deutsche Brüder sindsamt und sonders Grantiere, denn sie gehorchen ihrem Herrn„ohne Fessel, ohne Peitsche, durch das bloße Wort, ja durch einenBlick". Sie sind ihrer Natur nach zur Knechtschaft geboren. IhrPatriotismus in den Befreiungskriegen ist ihm demnach nichts anderesals „eine tierische Anhänglichkeit an Deutschland, wie sie etwa derEsel empfindet für seinen Stall"; und erläuternd hiezu bemerkt erVl. 174 höhnend: „Der Deutsche liebt die Freiheit wie seine alteGroßmutter." Dann aber wieder, in einer Anwandlung von