II.
Heine s Glaubensbekenntnis.
AIMls Jude geboren und erzogen und zumeist von Ordensgeist-AM lichen herangebildet, trat Heine 1825 nach einem sehr bewegten,vielfach entweihten Jugendleben und Erlangung des juridischenDoktorhutes der Universität Göttingen zu Heiligenstadt zum Prote-stantismus über, wiewohl „ihm die Taufe ein gleichgiltiger Aktwar" und blieb; denn auf seinem Sterbebette bekannte er, immerJude geblieben zu sein: er hätte sich niemals (aus Überzeugung)taufen lassen, brauche daher zum Judentum, zum Glanben seinerVäter nicht zurückzukehren, da er denselben niemals verlassen. Er voll-zog also diesen Schritt gewiß nicht aus Gewissenssache, sondernbloß deshalb, weil er nach eigenem Geständnis als Protestant sichbesser dnrch's Leben zu schlagen gedachte. „Diese Religion", gestehter, „schadet nichts nnd ist so rein wie ein Glas Wasser, abersie hilft auch nichts. Ich habe sie probiert, nnd diese Probe kostetemich 4 Mark 14 Schillinge". Den Grund, warum er übertrat,erfährt man ans der Vorrede zu den „Geständnissen": „Als ich michin Preußen und zumal in Berlin befand", erzählt der Dichter, „hätteich mich gern von jedem kirchlichen Band bestimmt losgesagt, wennnicht die dortigen Behörden jeden, der sich zu keiner von denstaatlich privilegierten positiven Neligonen bekannte, den Aufenthaltin Preußen und zumal in Berlin verweigerten. . . und ich konntemir nach wie vor das sehr aufgeklärte und von jedem Aberglaubenfiltrierte Christentum gefallen lassen, das man damals sogar ohneGottheit Christi, wie Schildkrötensuppe ohne Schildkröte in denBerliner Kirchen haben konnte." An einer anderen Stelle („Ge-danken nnd Einfälle") heißt es: „daß ich Christ ward, ist dieSchuld jener Sachsen, die bei Leipzig plötzlich umsattelten, oderNapoleons, der doch nicht nötig hatte, nach Rußland zu gehen,oder seines Lehrers, der ihm zu Brienne Unterricht in der Geo-graphie gab und ihm nicht gesagt hat, daß es zu Moskau im Winter