IV.
Heine nls Dichter.
MAeinrich Heine hat sich als Dichter und Prosaist ans den ver-schiedensten Gebieten mit Glück versucht, doch nur in derLyrik Werke geschaffen, die seinen Namen nie werden untergehenlassen. Seine Prosa, die er selbst sehr bescheiden „göttlich" nennt,entfaltete sich vor allem in den „Reisebildern", die nach Kirchnerdereinst „wie ein erlösendes Gewitter" wirkten. „Fern von allerSentimentalität, geben sie reizende Szenen köstlicher Lebenspoesie.Bildreich, kühn und scharf, geißeln sie das Zopftum undPhilistertum, den Schledrian und Stillstand in Staat, Kirche undGesellschaft. Schärfe des Witzes, burschikoser Humor, natürlicheRomantik, bald sonnig-fröhliche, bald melancholische Naturschilder-ungen und köstliche Lieder durchziehen sie." Leider verdirbt derüberall hervorgrinsende Spott und des Dichters Wüstlingsnatnr mitihrer Forderung der „rücksichtlosen Berechtigung der Sinnlichkeit"alles, da dergleichen auf die Daner, und dies besonders heutzutageden Leser abstoßen. In Vorführung solch greller, schreienderFarbentöne hat der Dichter nicht einmal die Entschuldigung fürsich, in jugendlicher Sturm- und Drangperiode pietätlos gegen dasHeiligste vorgegangen zu sein, da gerade das, was er als gereifterMann geschrieben, von unbezähmbarem Spottgeist, ekelhaften Bildernund gemeinen Ausdrücken strotzt, denen gegenüber Rudolf vonGottschall von dem „offenbaren, nnmaskierten Skandal" sprechenkann, der dem Leser in Heine's Schriften entgegentritt. „AllesHeilige, Schöne, Große und Gute", schreibt Karl Weiß in.Mark-steine deutscher Kultur und Literatur" „wird (darin) von Heine ver-spottet und mit scharfein, ätzendem Hohn Übergossen". Der Dichterbietet in dieser Hinsicht so viel Pornographie, daß König-Wittendie in dieser Hinsicht berüchtigte „Lueinde" Fr. von Schlegel's „einhohes Lied der Keuschheit" nennt und Heinrich Keiter „Zola's ab-