V.
Eitelkeit.
S dürfte im allgemeinen keinen Dichter gegeben haben, derZW) sich mit sii"er Poesie also in den Vordergrund gestellt hatwie Heinrich Heine; kein Dichter hat, mit Julian Schmidt zu reden,mit einer so ausdauernden Zudringlichkeit die Welt mit seinereigenen Person beschäftigt und hiefür die Aufmerksamkeit aller fürsich beansprucht wie er. Schon während seines Berliner Aufent-haltes lebte er in dem Wahn, wenn er stundenlang „Unter denLinden" auf und abgehe, flüsterten sich die Leute allenthalben zu:„Das ist der Dichter Heine". Er rühmt sich, als „Heil des Menschen-geschlechtes", „der Menschheit ganzen Jammer" zu tragen; darumsteht er auch nicht an, mit kühner Hand in seinen Gedichten denVorhang wegzuziehen, der die Regungen seines Herzens verdeckt,und ans seine leidenschaftlich erregte, zerrissene, von Zweifel an Gottund die Welt angefressene Seele hinzuweisen und sie auf dasPodium der Öffentlichkeit zu stellen. Sich mit der Welt zuidentifizieren, heißt aber nichts anderes als den Egoismus, diepersönliche Eitelkeit auf die Spitze treiben. In „die Bäder vonLucea" (Vl. 143) nennt er sich einen Menschen, „dessen Herz indie entferntesten Jahrtausende der Vergangenheit und der Zukunftimmer tiefer und tiefer Wurzel schlägt", der „einer der ewigstenMenschen" sei, „jeder Atemzug ein ewiges Leben, jeder Gedankeein ewiger Stern". Er war sich seines Wertes derart bewußt,daß er seinem Oheim schrieb, jedes Wort, das er von ihm erhalte,sei bares Geld, und ihm unverblümt zu wissen gab, das bestean ihm (Oheim) sei, daß er „seinen Namen trage". In eitlerSelbstbespiegelung zeichnet er sich als den bleichen Knaben, demSchinerzen und Leiden (um die Menschheit) in's Gesicht geschriebenstehen und so aller Mitgefühl erweckt, die ihn sehen; er ist der„stille Peter", der stumm und kreidebleich einherschleicht, er der„bleiche Mann", dessen Lieder rote und bleiche Blümlein sind, die