Druckschrift 
2 (1819)
Entstehung
Seite
246
Einzelbild herunterladen
 

246

in Vergleich mit der Erfindung des Spinnrades oder deSEinpökclns. Auch mit des neneren Auslandes Kunstei-gentbum bereichert sich die teutsche Litteratur. Weltbür-gerlich liebevoll fasset sie die Phanrasie - Gebilde aller Zei-ten und Völker auf; des Teutfchen gründlicher Wahrhcirs-sinn und offene Empfänglichkeit für alles Schöne dringetein in den Geist der Vergangenheit und der Gegenwartuni offenbaret im tiefsten Ergreifen des fremden innerenLebens ein eigenthümliches jugendlich-frisches und mann-haft reifes Leben. So wird das teutsche Gemüth mit demBlüthenstaube der verschiedenartigsten Kunstrhaligkeit be-fruchtet; so schwelget es in mannichfalttgen Genüssender Einbildungskraft. Nur Wenige wissen das, nicht ohneVerdienst und Erfolg eingebürgerte Fremde mit rechter Un-befangenheit zu würdigen und vergessen darüber des ur-sprunglich Einheimischen nicht; nurWenige arbeiten für Er,wcciung und Erkräftigung dcsSchönheitsgefnhleS in der ge-mischten tcutschen Bürgerwelt; Gottlob, daß diese Wenigeals die Besseren, ja bald wohl allgemein als Meister und Mu-ster gelten. Sie wollen, daß die fruchtbare Wirksamkeit derWissenschaft und Kunst, der Austausch des geistigen Genus-ses, der Ansicht und Betrachtung nicht ausschließlich vonzünftig gelehrter Vorbereitung derer abhängig scy, die dasöffentliche Litteraturwcsen allein zu leiten und zu gestaltendenken, und nicht blos denen augehöre, welche Geburt,Reichthum und Zufall begünstigt haben; sie wollen, daßfür die Mehrheit gearbeitet werde; nicht, weil die Mehr-heit ist, was sie seyn soll, und volle Empfänglichkeit undTüchtigkeit hat für die ihr dargereichten Gaben; sondernweil ihr heiliges Anrecht aufgemeinsame Bildung anerkannt,weil dahin gestrebt werden soll, sie für das Höhere zu ge-winnen und möglichst Viele, in wachsendem Verhältnisse