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Sechs und zwanzigste Vorlesung.
„Wieland. Lavater- — Claudius. Bürger."
geistige Zustand Teutschlands im achten und neuntenJahrzehcnde des achtzehnten Jahrhunderts bietet einetäuschende Glanzseitc dar, welche auch heute noch man-chen verleitet, in ihnen ein goldenes Zeitalter zu erkennenund das folgende Litteraturleben, Key Vergleichung mitdiesem, ziemlich ungünstig zu beurtheilcn. Unabhängigkeitder Ansichten des Lebens und der Betrachtung des Mensch-lichen von dem Herkommen, Entbindung des Denkens undFuhlens von aufgedrungener Gcsetzeswillkühr wurde inden verschiedenartigsten Gegenden Teutschlands erstrebt.Diese Vorliebe für praktische Freyheit und für die Oeffent-lichkcit ihrer Anwendung war von Berlin ausgegangen,als fruchtbarer Erfolg der Regierungsgrundsätze eincSKönigs, der zu groß und eines fest begründeten Ruhmeszu gewiß war, um Freyheit im Sprechen und Schreibenfürchten und hassen zu können. A. L. Schlözer, öffentli-cher Lehrer auf der Hochschule in Güttingen, machteff. 17741, wie vor ihm Schmauß gethan hatte, von demaus der brittischen Verfassung auf die Hannövcrsche Ne-gieruugsverwaltung übergetragenen Vorrechte der Prcß-freyhcit dankbar kräftigen Gebrauch; er wendete, wasMoser in allgemeineren Sätzen ausdrückte, auf einzelneThatsachen und Erscheinungen seines Zeitalters an, unter-warf Staatsangelegenheiten und Regierungshandlungender strengsten Prüfung und ließ über Gewaltstreiche undöffentliche Albernheiten oder Schlechtigkeiten ein unbarm-