Sie strsscn, nach Fodcrungen des Kunstmechanismus beur-theilt, gegründeten Tadel zu; das Streben, den berrlichenStoff der, seiner jetzt mebr als je bedürfenden, tentschenWelt, dichterisch faßlich zu vergegenwärtigen, war bochverdienstlich und nicht ohne gesegneten Erfolg. Den mei-sten Werth haben „Jesus Messias oder die Zukunft desHerrn" (>780), eine begeisterte Darstellung der Offenba-rung Johannis, und „Jesus Messias oder die Evangelienund Apostelgeschichte" (17LZ stl.) — Viele seiner „geistli»chcn Lieder" (1771; hundert >776; Zwcytes Hundert 1780)behaupten sich durch Salbung und Kraft des frommen Ge-fühls, durch angemessene Faßlichkeit des Jdcenganges, unddurch Schönheit des Ausdruckes, neben unseren besserenKirchengesängen und sind in die meisten Sammlungen über-gegangen. Auch die „vermischten gereimten Gedichte"(1786) enthalten mehre trefliche lyrische Ergießungen.
In der Abhandlung „von der Physiognomik" (1772)und in den „Physiognomischen Fragmenten" (1776 fl.4 Fol. m. K.; verkürzt von I. M. Armbrust er 1785 s.4 B. 8.) versuchte Lavatcr, das Verwandte und Unter-scheidende in dep menschlichen Gesichtsbildung auf Natur-gesetze zurückzuführen und die Wechselwirkung zwischendem Thierisch-Körperlichen und Sittlich-Geistigen aus-znmittcln. Eine Fülle glücklicher, oft tiefe? Wahrnebmun-gen und Beobachtungen, Ergebnisse vielseitiger Kenntnisdes Menschen in allen gesellschaftlichen Verhältnissen, wirdansgetban, manche geistreiche Ahndung wird angedeutet,viele Zustände des Gcmütbs, des Charakters, der Leiden-schaften werden meisterhaft geschildert; aber die Forschunghat weder umfassende Vollständigkeit, noch gründliche Tiefeund nüchterne Ruhe; daher sind die Folgerungen zu rasch,viele Behauptungen unhaltbar und überspannt, viele Ver-
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