226
sten Vorstellungen können daher, ihrer eigenthümlichen Na«tur nach, wenig scharfe Bestimmtheit und helle Anschaulich-keit haben, sondern nur die Sclbstthatigkeit ähnlichen Gc-fühlsvermögens anregen; sie erscheinen oft in loser Vcr-b ndung, oft ganz abgerissen, bewegen sich mit steter Be-ziehung auf das Innere, Unsichtbare, Unendliche, in engerbegränztcm Kreise und werden häufig w'cderholt. DieDarstellung hat immer mehr herzliche Eindringlichkeit, alsRuhe und Ordnung; auch da, wo kindliche Einfalt in ihrherrschet, scheint sie Tieferes und Geheimes, was nur dasGcmüth verstehet, ahnden zu lassen. Unter seinen zahl-reichen Erbauungsschristcn zeichnen sich viele Predigten(f. 1772) durch Wahrheit und Stärke der religiösen Em-pfindung, durch, bisweilen kindliche, Ncubcit und Viclsei-seitigkeit in Benutzung der Bibel, und durch einzelne sehrgelungene rednerische Wendungen aus. Die „Aussichtenin die Ewigkeit" (Z. 1768 fll. 4 Th-; im Auszuge >781)sind am reichsten ausgestattet und mir großer Sorgfalt undUmsicht bearbeitet, ohne den Grundcharakter des Lava-terschien Bctrachtungsstyles zu verleugnen; dieser dürftewohl im „Pontius Pilatus oder der Mensch in allen Ge-stalten" (Z. 1782 fll. 4 Th.) am vollständigsten und an-schaulichsten ausgedrückt seyn; er ist ganz er selbst in diesem,für die Mehrheit der Lesewelt seltsamen Buche; wer es mis-verstehet, muß darauf Verzicht leisten, den Mann verstehenund beurthcilcn zu wollen, dessen Ansicht von Welt undMenschheit in ibrem weitesten Umfange sich treu darinabspiegelt. In den metrischen Umschreibungen biblischerGeschichten und Gefühle erkannte Lava tcr selbst gewisser-maßen Klopstock als sein Vorbild an; nur wollte ermit fromm-zarter Scheu nicht eigenes geben, sonderneinfach verdeutlichen, was die heiligen Schriften enthalten.