220
mcr verbunden blieb; doch sind hie und da Spuren sichtbar,welche einen ihm selbst kaum bewußten Kampf zwischenAhndung des Unbegreiflichen und zwischen der Leichtigkeit,das Leben blos nach wirklicher Gegenwart zu nehmen, vcr-rathcn. Seine pbilosophische Ansichten werden immer wahrund rücksichtlos, doch weder mit scharfer Bestimmtheit nochmit schneidender Eigenthümlichkeit ausgesprochen. In denWerken, welche Wieland's schriftstellerischen Werth be-stimmen, offenbaret sich eine mit griechischen und italiäni-schcn Anschauungen und Gefühlen genährte, reich aus-gestattete Einbildungskrast, zarte Aumuth des verfeinertenbesonnenen Lebensgenusses, freundliche Verschmelzung derSinnlichkeit und Gcistigkeit, der Wirklichkeit und des Wun-derbaren. Das Fremdartige, Dunkle, Nene, Trockenewird vielseitig glücklich veranschaulicht; das Einbildnngs-vcrmögen oder der Verstand wird durch Bilder, Gleichnisse,Andeutungen darauf hingezogen und damit befreundet.Die bearbeiteten Stoffe gehören allen Völkern und allenZeiten an; die meisten sind von Griechen, Jtaliäncrn undFranzosen entlehnt; die bildnerische Kunstthätigkcit be-schränket sich auf Anordnung, Zusammenstellung, Einschal-tung, Steigerung der Theilnahme, unterhaltendes Gcdan-kenspiel und gelungene Betrachtung; geschickte Kunstgestal-tung bringet sie dem Vorstellungsvermögen der verschieden-artigsten Bildung nahe; und darum haben auch viele dieserWerke so ausgezeichnetes Glück im Auslande gemacht; einsüdlicher Ton waltet fast überall in ihnen vor. Die Sprachehat mehr Leichtigkeit und Wohllaut als Stärke. Das Ver-dienst um Ausbildung des Reimes in mannigfachen, dertentschcn Sprache angeeigneten Splbenmaßen, kann nichtverkannt werden.
Die gehaltreichsten dichterischen Arbeiten Wieland's,