170
seiner Fassnng, von seiner Heiterkeit, von seinem Muthe.Er ließ, was tn Braunschweig von Manchen wenigstenseben so unvorsichtig als die Bekanntmachung der Fragmentegefunden wurde, die köstlichen Gespräche über die ihm wohlbekannte Freymaurercy „Ernst und Falk" (>776; Fort-setzung 1780) drucken. Er schuf seinen „Nathan den Wei»scn" (1779), dem Grundgedanken und der Einheit nach,das rein vollendeteste unter seinen dichterischen Werken;er siegelte seinen lcztcn Willen an die denkende Nachweltin der „Erziehung des Menschengeschlechts" (17L0) undsein Tagewerk war vollbracht.
Was Lessing gewesen und für alle Zeiten ist, warer ganz, sich treu bis an's Eude; er ward es nicht blosdurch geistige, sondern auch, was von wahrhaft geistigerBildung unzertrennlich ist, durch sittliche Reife. Sich ver-edelnde Menschlichkeit, die Grundbedingung alles dauerhaftGuten und Trcflichcn, waltete vor in seinem Streben undHandeln; sein Verdienst als Schriftsteller würde nimmerals so ausgezeichnet anerkannt werden, wenn er uns weni-ger gut in sittlicher Hinsicht erschien. Durchdrungen von lie-bevoller Achtung für gesellschaftliche Verhältnisse, erfüllteer treu und von ganzem Herzen die Pflichten gegen Eltern,Geschwister, Freunde und Alle, welche mit ihm in Ver-bindung standen ; milder Biedersinn bcy männlicher Heftig-keit, ungekünstelte Bescheidenheit Key richtiger Selbstschä-tzung, gesellige Heiterkeit bey tiefem Ernste, Wohlthätig-kcit und oft übertriebene Großmuth waren ihm eigcnthüm-lich; dem Unglücklichen ließ er stets fromme Schonung an-gcdeihcn; der Unterdrückte fand in ihm einen muthigenFürsprecher und eifrigen Anwald. Die Aufgabe seinesgeistigen Lebens und Wirkens, deren es sich fortschreitendvollständiger bewußt wurde, war Streben nach Wahrheit