Druckschrift 
2 (1819)
Entstehung
Seite
128
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funden zu werden. In zwey Dichtartcn gilt Geliertallgemein als Elassikcr; in der Fabel und Erzählung (>746.2TH.) durch Ton und Darstellung, wie sie für alle Ständeund Aller taugen, durch natürliche Leichtigkeit, unschuldig-schalkhaften Witz und cigcntbüm liehe Anschaulichkeit der Be-lehrung; durch oft beschwerliche Weitschweifigkeit wird dergünstige Gesammteindruck geschwächt; der Stoff ist größe-ren ThcilS gut erfunden; in den Nachbildungen wird derHauptgedanke des Musters, oft eines altteutschen, ent-schieden glücklich aufgefaßt und hervorgehoben. Gcllertwar in Ausbesserung und Umarbeitung einiger Fabeln mu-sterhaft sorgfältig und seine Bcurthcilung dieses Verfah-rens ist sehr lehrreich. Von nicht geringerem Werthe sindseine geistliche Lieder (>75?), sprechende Denkmäler einesvon Liebe und Ehrfurcht für das Heiligste durchdrungenendemüthigen Herzens, durch lebendige Wahrheit des Ge-fühls ergreifend, tröstend, bessernd, stärkend, fast immerim sorgfältig gewählten Ausdrucke der heiligen Schrift,oft durch Reinheit des himmlischen Sinnes begeisternd,oft tiefe Betrachtung des inneren Menschen veranschauli-chend. Geliert arbeitete mit zarter Gewissenhaftigkeitan ihrer Vervollkommnung und benutzte auch bey mehrendie Rathschläge seines einsichtsvollen Freundes I.A. Schle-gel. Seine Lehrgedichte (»764) stellen sittliche Betrach-tungen und Schilderungen gefällig dar. DieLust- undSchäferspiele" (1748), so schwach sie dermalen als dra-matische Kunstwerke befunden werden, hatten in der Zeitihrer Erscheinung unzweydeutiges Verdienst; sie waren,abgesehen von ihrer sittlichen Reinheit, die ersten, welcheursprünglich tcutschcn Stoff auf die Bühne brachten undkönnen als treuer Spiegel der Sitten und des gesellschaft-lichen Tones jenes Zeitaltns gelten;die Betschwester"