Uli
unterschieden sich beide Schulen wesentlich darin, daß dieLeipziger in der sranzösischen Litteratur die Vorbilder zufinden glaubten, nach welchen tue tcutschc sich gestaltensolle, und eine misverstandene Aristotelische steife Kunst-regel geltend inachen wollten; während die Züricher dembrittischen Geiste Gerechtigkeit angedeihen liessen und diemannigfaltige Treflichkeit des romantischen Knnststylcs we-nigstens aundeten; ihre kritische Schriften bieten hinreichendeZeugnisse dafür dar. Bodmer, der auch »74^ denDon Quirote kannte und schätzte, führteMilton (,762;1742), Buttler's Hudibras G7Z7) und Pope's Dunciade<1747) in Teutschland ein und trug mit Breitinger zuausgebreiteter Kennlniß der gesummten neueren schönenLitteratur des Auslandes wacker bey.
Diese dankbar-freudige Anerkennung des Treflichen,wo es gefunden werde, bezeichnete die fast weltbürgerlicheEigenthümlichkeit des tentschen Kunstsinnes; und die treueLiebe zu dem Vaterlandischen wurde nicht dadurch gefährdet.Die Werke von Canitz (>727), Opitz (1746) undWernike (1749) wurden durch gute Ausgaben in Um-laufgebracht, Pyra's und Lange's freundschaftlicheLieder (>746) zuerst zum Drucke befördert; für Wiederbe-lebung der Thcilnahme an den Dichtwerken des teutschenMittelalters wurde durch die „Proben der alten Schwäbi-schen Poesie" (174L), durch die „Fabeln aus d. Schwab.Zeitalter" (1767), durch die erste Ausgabe der „Niebe-lungen" (1767) und der „Sammlung von Minnesingern"(17Z3 f. 2 B. 4 ) auf das ruhmwürdigste gesorgt. Verglei-chen wir Mann gegen Mann, so stehet Breitinger alsGelehrterund scharfsinniger Denker am höchsten; Bod-mer ist ihm in Vielseitigkeit und rüstiger Thätigkeit über-legen, aber in Ruhe und Tiefe der Betrachtung nicht gleich