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Marburg und dann als Darmstädtischek Hofprediger inBraubach fbis gelebt hatte. Schon als Jüngling
von der Gcistcsknechtschaft des leeren pedantischen Formel-wesens und vermeint gelehrten Herkommens entbunden,war er von Ereignissen und Wechseln einer ungestümmwilden Zeit unmittelbar berührt, durch Reisen und mannig-faltigen Umgang, im Verkehr mit allen Standen, durchGeschäfts- und Hofleben in den Besitz reicher Erfahrungengekommen und hatte sich unter fortgesetztem Studium derBibel, der alten und neuen Litteratur, der Welt und derMenschen zu freycm, durchaus praktischem Selbstdenkenerhoben, dessen Ergebnisse in seinen Schriften niedergelegtsind. Diese bestehen theils in Predigten und Andachts-büchern, deren Richtung und Ton ein eigenthümlichesGepräge haben, theils in Streitschriften, worin er dieVerlästerungen und tückischen Angriffe, welche ihm seinFreysinn und seine derbe Offenherzigkeit zuzogen, tapferabwehrte und zu Schanden machte, theils in ernst undheiter strafenden Belehrungen über Gebrechen, Schwach-heiten, Untugenden und Erbärmlichkeiten des öffentlichenund häuslichen Lebens; die lezteren sind in mancher Hin-sicht vortrcflich und gewähren einen unerwarteten Genuß.Es herrschet darin ein redlich frommer Sinn und daseifrigste Bestreben, das Schlechte und Sündhafte vollstän-dig aufzudecken und zur Beschauung auszustellen, damitdie Welt gebessert werde. Seine Rügen verbreiten sichüber Hof- und Regentenleben, Staatsverwaltung, Gottes-dienst, Philosophie, gelehrtes Zunftwesen, Haushaltungund Gesinde, Erziehung und Unterricht, Leidenschaftenund Lüste, Vorurtheilc und Aberglauben. Er kennt de»Volkssinn eben so haarscharf, wie die Thorheitcn der Ge-lehrten, der Geschäftsmänner und der vornehmen und
Wachter'i llortesunzin »zr Thl. 2