und glaubte in mistrauisch- eifersüchtiger Bewachung derlandesherrlichen Gerechtsame den Mittelpunkt ibrer Dienst-pflicht zu finden. Führete diese Handlungsweise auf einerSeite zu meist schlecht verhüllter Uneinigkeit der Reichs-stände unter einander, auf der anderen zu immer sichlba-rerer Erschlaffung des für Teutschlands äussere Ehre undSicherheit schon zu lange geschwächten Reichsverbandes;so war dieselbe mit fortschreitender Entwicklung volks-thümlichcr Gesinnung und Selbstständigkeit ganz unver-einbar; jeder Anschein eines Strebens der Art mußte ver-dächtig und als Acusserung gesetzwidriger Willkühr straf-bar erscheinen. In der Regel theilten die Hostheologenund geistlichen Gcwissensräthe diese Ansicht; denn eigen-sinnige Rechthaberei) und knechtische Abhängigkeit von demBuchstaben der, im Streite und um des Streites willenmit harter Einseitigkeit begränztcn Lehre hatten eine scho-lastisch-starre und papistisch-despotische Theologie unterden Protestanten wieder aufleben lassen. Sie fand ihrePfleger in den Theologen zu Wittenberg und zu Leipzig;die mildere Denkart der Helmstädter Schule wurde alsverderblicher Synkretismus gebrandmarkt; und die frommeGründlichkeit I. Gerhardts zu Jena wurde erst vonminder befangener Nachwelt nach Verdienst gewürdigt.Auf die allgemeiner herrschende theologische Denkart warder philosophische Sektcnhaß übergegangen, wie er einstzwischen Nominalisten und Realisten blutig gewüthet undkannibalisch Opfer gefodcrt hatte. Die dem teutschen Pro-testantismus aufgedrungene Eintracht f>5öos gab einegesetzliche Losung zum Verfolgen der Andersgesinnten, be-sonders der geheimen Calvinistcn, bis aufdas Blutgerüst;über ungemäßigtem Hasse wider diese blieb kaum noch einigekriegerische Kraft gegen den von jesuitischer Verschlagen-
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