Druckschrift 
1 (1818)
Entstehung
Seite
180
Einzelbild herunterladen
 

ILO

Jahre fortgesetzte Besuch der vatcrstädtischen lateinische!:Schule eine tüchtige Grundlage verschafft und so langeihm die Kräfte nicht versagten, schritt er fort im Erwerbder mannigfaltigsten Kenntnisse; seine Belcscnheit intcut-schcn Druckschriften setzet in Erstaunen und doch wurdesie erst durch Gediegenheit des inucrcn und durch wach-same Umsicht des äusseren Lebens erfolgreich wirksam undempfing das Gepräge der fruchtbarsten Eigenthümlichkcit.Er war vertraut mit den Geschichten und Gebilden desklassischen Altcrthums, obschon er dessen Werke nur inmeist uugcschmcidigcn und dem Ausdrucke nach oft küm-merlichen Uebcrtragungcn lesen konnte und daher ein un-ersetzliches Bildungsmittcl für Sprache und Versbau ent-behrte; er kannte das alte tcutschc Leben und schwelgtemit Hochgenuß in der thatenrcichcn Helden- und Nittcr-zeit; die Sagen und der Glaube seines Volkes waren ihmgegenwärtig; alles Große und Neue, was im Vatcr-lande sich äusserte, fesselte seine Aufmerksamkeit; vondem Beginnen, Treiben und Streben der Menschen, inwelchen Ständen und unter welchen Verhältnissen es auchhervortreten mochte, konnte kaum etwas seinem Scharf-blicke entgehen. Er gehöret ganz seiner Zeit an; unddieß ist die Grundbedingung des bleibenden Wcrthes sei-ner Arbeiten, in denen sich die heitere Kraft und derbeLebendigkeit, der bürgerliche Witz und Hausvcrstand desZeitalters abspiegeln, aber freilich auch die demselbencigenthümliche unbeholfene Breitigkeit, das beredsameVerweilen bcy Nebendingen, das bis zur Ungebühr be-harrliche Verfolgen eines Bildes oder Gedankens, dieöftere Verletzung der Gesetze der Einheit und des Eben-maaßes und alles dessen, was uns feiner Anstand undzarte Schicklichkeit geworden ist; es wäre daher seltsame