Druckschrift 
1 (1818)
Entstehung
Seite
21
Einzelbild herunterladen
 

21

Dritte Vorlesung,

Einleitung über Absicht, Quellen, Vorarbeiten, Zeitabschnitte.Tcutschland'S ältester Zustand, Sprache, Schrift.

Nach Bestimmung des Standortes und Gesichtskreises,woraus wir das teutschc Kunstlebcn in Sprache undSchrift zu betrachten gedenken, ist der Gang zu bezeich-nen, welcher in der geschichtlichen Darstellung verfolgtwerden soll. Wir beabsichtigen, die herrschenden Vor-stellungen in der Knnstwclt tcutschcr Zunge, soweit sichdieselben mit einiger Sicherheit nachweisen lassen und inDenkmälern beurkundet zeigen, aufzusuchen und die Ge-staltungen der Knnst in Wort und Schrift daraus abzu-leiten. Die ursprüngliche Einfachheit kündiget sich selbstbestimmt genug an; wie der Kreis der Einbildungskrafterweitert, wie der nährende Stoff für sie vermehrt, wieBewegung und Ausdruck des inneren Lebens verändertworden, auch davon dürften die Spuren, oft vollgültigeMerkmale, unschwer aufzufinden seyu. Thätigkcit desGelchrtcnstandcs, wo sie sich äußert, wird nur beachtet,in so fern sie von allgemeiner Denkart bestimmt wurdeund auf dieselbe, zum T'hcil mittelbar, einwirkte oderüberhaupt von ihr nicht unwichtiges Zeugniß gicbt. UnserHauptaugenmerk bleibet immer das Volk, das heißet, wiegeschichtliche Treue gebietet, der Theil des Volkes, welchergeistiges Streben und Kunstlcben wahrnehmen laßt; undzwar zunächst, um die Quellen zu entdecken, aus denenes geflossen, um den Kreis zu bezeichnen, in welchem essich beweget, und u.m die Wirkung zu berechnen, diedadurch hervorgebracht worden; wobcy leichte Andentun-