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Fünfte Vorlesung.
Tcutsches Ritterthum. Ritterliche Dichtkunst; ihr Entstehenund Umfang. Lieder.
II. iAo groß und, wie es scheint, in fast Zoo Jahrenausschließlich das Verdienst war, welches sich einigeGeistliche um die tcutsche Schriftsprache erwarben, soist doch diese ihre Beschäftigung als seltenere Ausnahmevon den in ihrem Amtsberufe liegenden und, Key festerausgebildetem Kirchenwescn, allein gültigen Arbeiten zubetrachten. In Angelegenheiten des Staates und derKirche hatte sich die lateinische Sprache zur Alleinherr-schaft erhoben; und der fortschreitende Anbau der vater-ländischen Sprache und ihrer Anwendung anfGeistcsge-bilde und Werke der Kunst würde unvermeidlich gefährdetworden seyn, wenn nicht andere, als Geistliche, sichdesselben mit jugendlicher Liebe und Kraftthätigkeit ange-nommen hätten. Diese edle Pflege fiel dem HerrcnstandeanHeim, der seitdem Teutschland abgeschlossen-volksthüm-liche Selbstständigkeit nnd Könige aus dem Kreise seinerGroßen hatte, zu Macht und Glanz aufgeblüht war undvon dem Kampfe zwischen kirchlicher und weltlicher Ober-gewalt, unter Heinrichs IV und V Regierungen, nichtgeringe Bortheile gewonnen hatte. Frommer Biedersinnund tiefgewnrzeltes Ehrgefühl machten ihn für höhere Bil-dung des Geistes und Lebens empfänglich. Diese höhereBildung in Teutschland scheint von dem südlichen Frank-reich aus angeregt nnd zur Reife gczcitigrwordenzuseylt;hier war Rittcrthnm nicht als äussere bürgerliche Anstaltgestiftet worden, sondern es hatte sich ans sittlich-tapferem