Druckschrift 
1 (1818)
Entstehung
Seite
179
Einzelbild herunterladen
 

179

südlichen Teutschlandes am Rheine und an der Donau,viel geübt, mit Kunst-Erfahrungen ausgestattet und vonwackeren Meistern und Mustern zu reicher Thatigkeiterkräftigt worden war. Fromme Gesinnung und unsträf-licher Wandel gewannen und sicherten dem Biedcrmannedie Achtung der Mitwelt und kindliche Begeisterung sprichtsich in der malerischen Schilderung aus, welche seinSchüler Adam Puschmann von des edeln Greisenlczten Lebenstagen entworfen hat; sie veranschaulichetden Wonnczustand eines im Kunstspiele Ergrauten, dessenGefühle und Bestrebungen schon einer besseren Welt an-zugehören scheinen. Den Kunstbcruf und das dichterischeBerdienst des in neuerer Zeit oft Verkannten in Schutznehmen zu wollen, würde fast an Vcrmessenheit gränzcn,seitdem seine Meisterschaft von Göthe, dem stimm-fähigsten, würdigsten Richter in Angelegenheiten teutscherKunst und Sprache, mit so frommer Liebe gefeiert wor-den ist. Die Natur hatte Hans Sachs mit seltenemBildungsvcrmögen begabt; er fühlte tief und wahr, waser leicht und lebendig aufgefaßt hatte; seine Vorstellungs-kraft war eben so beweglich und empfanglich, als nach-haltig; sein Gcmnth sittlich rein, voll Strcbens nachWahrheit und Recht; für evangelische Glaubensfreyhcitglühetc sein überall rcchtsinniger Geist; und daher nehmendie Wittenbergcr Nachtigall" ^622; und dieKlagred"auf Lnther's Tod unter seinen Zeitgcdichten eine

der ersten Stellen ein. In ihm wohnten bürgerlicheTreuherzigkeit, freye Menschenachtung und achte Bruder-liebe neben immer gleicher natürlicher Heiterkeit und fro-her Laune, bey treuer Ehrfurcht für das Schöne undWahre. Er hatte sich einen unermeßlich großen Vorrathvon Stoff zugeeignet; dazu hatte ihm der bis zum »5ten

12 "