Vierte Vorlesung.
Carl der Große und sein Zeitalter. — Kirchlich-schriftstelle-rische Denkmäler. Kirchcngcsä'nge. Otsrid. Volks - undSiegcslieder. Lobgesang auf den heiligen Anno.
I. Earl der Große hing an Teutschland mit der vollenLiebe, welche ans unauslöschlichen Jugend-Eindrückenunsichtbar mächtig und eben darum sich aller Rechtferti-guugsgründe überhebend, selbst Keime einseitiger, fürGemeinwohl zuträglich erachteter Gcwalthandlungen ent-haltend, erwächst und gedeihet; nicht wenig mag sie durchfast nnwillkührlichc Vcrglcichung zwischen der schon merk-lich verschiedenen Eigcnthnmlichkcit der Menschen anstcntschem und französischem Boden verstärkt worden seyn.Carl ehrte den Stammsitz des Volkes, dem er vorstandund dessen Kräftentwickclung und Selbstthätigkcit erbezweckte, um dadurch ihm bleibendes Wohlscyn undgeschichtlich ruhmvolles Ansehen zu bereiten. Sein Rc-giernngs-System stützte sich auf gleiche Mitwirkung derGeistlichkeit, als Inbegriffs der Volkserziehungsmacht,und des, nicht durch Geburt und Herkommen, sonderndurch innere Tüchtigkeit und äußere Fertigkeit ausgezeich-neten Thcils der Laienwclt; war daher dem Widerwillenstörrigcr Machtinhaber in Kirche und Staat gleichmäßigausgesetzt und unterlag diesem auch bald genug, als esdurch persönliche Kraftnberlegenheit nicht mehr aufrechterhalten wurde, obgleich seine, nach Jahrhunderten offen-barte geistige Wirksamkeit keinen Anfeindungen erliegenkonnte. Dem großen Carl verdanket unser Vaterlanddie Grundlagen seiner höheren Bildung, so spät auch die