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Sechste Vorlesung.
Das romantische EpoS. Zwiefacher Kreis desselben; der aus-landische.
Spasche Dichtkunst wurde bald nach der syrischen inTeutschland eingeführt, mit leidenschaftlicher Liebe auf-genommen und so sorgsam, fruchtbar, wohl darfmau sagen,so wissenschaftlich, wie bey keinem andern Volke gepflegt.Das Zeitalter ihrer Blüthe, abhängig von hochbegeistcr-tem ritterlichem Sinne, endete noch vor Ablauf des drey-zehnten Jahrhunderts; es konnte die fromme Sehnsuchtnach wundersamer Großartigkeit, den kindlichen Glan-ben an das Ausserordentliche und Geheimnißvolle nichtüberleben; mit dem Zurücksinken des von Allmacht üppigbefruchteter Einbildungskraft beherrschten Ritterlebensin kalt-irrdischc Wirklichkeit mußte es aufhören. DieSeele des Ritterthums, sein oberster geistiger Grundsatz,die tiefe Betrachtung des Gcmnths über das unaussprech-liche Höhere, was in seinem Wesen und Berufe geahndetwurde, veranschaulichte sich in Darstellung ritterlicherAbentheuer, wundervoller Erfahrungen, übermenschlicherAnstrengungen und Wirkungen, und war oft mit leisen,mystisch tief ergriffenen Andeutungen über das verschlei-erte Grundgchcimniß solcher Erscheinungen begleitet.Diese Gedichte machten die ernste Lieblingsbeschäftigungaus, womit sich Fürsten, Ritter, Frauen und Alle, diein ihrer Umgebung lebten, unterhielten; es war das gei-stig Höhere, was sie vom Volke unterschied; mit Ausar-tung der Großen mußte sie erliegen.
Die Quelle, aus welcher der epische Stoff von teut-schen Dichtern geschöpft wurde, ist eine zwiefache; dieWachler'S Vorlesungen irM. 5