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Fünfzehnte Vorlesung.
Prosa. Geschichtschreiber. Volksbücher und Romane.
Aür Vervollkommnung der seit der zweptcn Hälfte desfünfzehnten Jahrhunderts fortschreitend besser gestaltetentenlschen Prosa geschah weniger erfreuliches, als Lu-ther'6 hoheS Verdienst um sie hatte erwarten lassen;und das Muster dcS herrlichen Mannes blieb gerade indem Kreise fast ohne allen Erfolg, auf den dasselbe amschnellsten und kraftigsten hätte wirken sollen. Die kirch-liche Beredsamkeit, Frucht der frömmsten Begeisterungfür das Heiligste und Menschlichste, konnte nicht gedei-hen, als die Gesinnung der Mehrheit des evangelischenKlerus weniger religiös als theologisch und von dialekti-schen Schulbestimmungen immer abhängiger wurde. Nichtaufgefaßt und daher bald verdunkelt und vergessen wurdedie großartige Ansicht, daß evangelische Glaubens-Frey-heit durch den christlichen Volkslchrcr gepflegt und ver-breitet, daß religiöse Selbstthätigkcit des Volkes geför-dert und gestärkt, daß der Laie in den ihm eigenthüm-lichstcn und wichtigsten Angelegenheiten seines Gemüthcsund Gewissens zur allmählig sclbstreifcndcn Mündigkeiterzogen werden sollte; verkannt wurde das Edelste imBerufe des Predigers und Seelsorgers, seine geistigeGemeinschaft und religiöse Verschmelzung mit dem Volke,wodurch er zum Sprecher für dessen wichtigste Gerecht-same geeignet und geweiht erschien. Die kleinlich wach-same, alles Bessere verdrängende Sorge für das Kunstge-bäude der Gottesgelahrhcit übermannte die Rücksicht aufdas Glaubcusbcdürsniß und die Gcwiffens-Ansprüche der