48
Klagen und Gelübde, froininc Empfindungen wurden inlyrischen Liedern, Vers, Lais, Chansons, Tensons, aus-gedrückt; lustige Einfälle in Soulas; spottend-strafendeSchilderungen der Zeit-Sitten und Thorheitcn in Sir-ventcs; auch ritterliche Abentheuer und Tugenden undWunder der Heiligen wurden gefeiert. Die Sprachehatte Weichheit und Wohlklang; auf kunstvolle Abwech-selung und Verflechtung des Versbaues wurde viel Fleißverwendet; der Anklang in Reimen beruhete auf Selbst-lauter; oft begegneten sich Reime in der Mitte und amEnde eines Verses.
Ans der provcnzalischcn Dichtkunst ging die limon,siuisch-katatonische fast gleichzeitig, die italiänische nachVerlauf eines Jahrhunderts hervor; mit Eleonore, Erbinvon Guieune und Poitou, Gemahlin lriZ'f des Planta-genet Heinrich ll, zog sie nach England hinüber. InTeutschland ward sie durch den Hohenstaufen K. Fried-rich l. Rothbart, als Hauptbestandthcil verfeinerter Hof-lcbens und Malzeichen höherer ritterlicher Bildung imAnfange der zweyten Hälfte des zwölften Jahrhundertseingeführt. Zu genauerer Zeitbestimmung dienet die Zu-sammenkunft des Kaisers mit Raymund BerengarII. Grafen von Provenze, die in Turin statt fand;bey welcher provenzalische Dichterin großer Anzahl ge-genwärtig waren und die Festlichkeiten des Hof.cbensdurch ihre Kunstfertigkeit verschönerten. Friedrichselbst glänzte als Troubadour und noch sind Denkmälerseines dichterischen Strcbcns vorhanden; schon frühermochte die überall hervortretende Ueberlcgenhcit den gro-ßen, ritterlich hochgebildeten Fürsten zum dichterischenKunstlebeu geeignet und erhoben haben. Der zauberischeReiz in den Frcudespielen und geistigen Genußwechselw