396 A. Augustinus Bekenntnisse.
Doch dieses sind wir bis jetzt nur noch durch denGlauben, noch nicht durch die Anschauung. Denndurch die Hoffnung sind wir geheilet. Die Hoffnungaber, die man erblickt, ist keine Hoffnung. Noch ruftder Abgrund dem Abgrunde zu, doch bereits mit derStimme deiner Wasscrfluthen. Auch selbst jener, wel-cher spricht: «Nicht reden konnte ich zu euch, wie zuGeistigen, sondern wie zu Fleischlichen,» glaubt nochnicht, er habe es ergriffen, und was hinter ihm ver-gessend, strebt er nach dem, was vor ihm ist, undseufzet bedrückt, und es dürstet seine Seele nach demlebendigen Gott, wie der Hirsch nach dem Wasserquell;und voll Sehnsucht, mit seiner Wohnung, der vomHimmel, überkleidet zu werden, spricht er: «Wannwerde ich kommen?» und er ruft dem untern Abgrundezu, da er spricht: «Wcrahnlicht euch nicht dieser Welt,sondern seid umgewandelt durch Erneuerung euresSinnes,» und «seid nicht Kinder in Beurthcilung derDinge; sondern im Bösen mögct ihr Kinder sein, inBeurtheilung seid vollkommen» und «o ihr unverstan-digen Galater! wer hat euch bezaubert?» — Dochnicht mit seiner Stimme ruft er also; vielmehr mitdeiner, der du deinen Geist aus der Höhe sandtestdurch den, welcher in die Höhe fuhr, und die Wasscr-fluthen seiner Gaben öffnete, damit des Stromes An-drang deine Stadt erfreuete. Denn nach ihr seufzetdes Bräutigams Freund, der bereits die Erstlinge desGeistes empfangen hatte; aber noch in sich selbst er-seufzend, die Kindschaft, die Erlösung von seinem Kör-per erwartet; nach ihr seufzt er, denn er ist ein Mit-