349 A. Augustinus Bekenntnisse.
läuft er allerdings diesen Zeitraum in der Stille-, undihn seinem Gedachtniss' einprägend, sängt er an denLaut von sich zu geben, welcher tönet, ja getönct hat,und tönen wird, bis er zum vorgesetzten Ziel geführtist. Denn was von ihm vollbracht ist, das hat ge-tönt; was noch bevorsteht wird tönen. So wird esdaher vollführt, da die gegenwärtige Geistcsrichtungdie Zukunft in die Vergangenheit überträgt, durchVerminderung des Künftigen das Vergangene wächst,bis durch Vollendung des Künftigen das Ganze ver-gangen ist.
Doch aber, wie wird verkleinert oder verzehrt,was noch nicht ist, oder wie wachst Vergangenes, wasnicht mehr ist, als nur, weil dem Geiste, welcher sichdamit beschäftigt, dreierlei einwohnet: denn er erwar-tet, er bemerkt und erinnert sich, so daß das, was ererwartet, durch das, was er bemerkt, übergeht in das,dessen er sich erinnert. — Wer laugnet also, daß dasKünftige noch nicht sei? Ist ja doch im Geiste be-reits die Erwartung des Künftigen. Und wer laugnet,daß das Vergangene nicht mehr sei? Ist doch nochim Geiste das Andenken an das Vergangene? Werläugnet endlich, daß die Gegenwart keine Ausdehnunghabe, weil sie in einem Augenblicke vorübergeht? Jn-deß währt doch die Aufmerksamkeit, durch welche das,was da ist, da zu sein fortfährt. Nicht lang ist alsodie zukünftige Zeit, da sie nicht ist; sondern eine langeZukunft ist nichts anders, als eine lange Erwartungder Zukunft; noch ist auch die vergangene Zeit lang,die nicht mehr ist, sondern eine lange Vergangenheit