334 A. Augustinus Bekenntnisse.
so messe ich mit der Zeit, wie lange er bewegt werde,vom Ansänge der Bewegung bis zu deren Ende. Undhabe ich nicht den Anfang gesehen, und er beharrt inder Bewegung so, daß ich das Aufhören nicht sehe,so vermag ick nicht zu messen, wenn nicht vielleichtvon dem Augenblick an, da ich zu sehen anfange, bisich aufhöre. Sehe ich dieses lange, so erkläre ich blos,dieses sei eine lange Zeit, nicht aber, wie lang sie sei. —Denn wenn wir sprechen, wie groß, sagen wir es ver-gleichend, wie: dieses ist so groß als jenes, oder diesesist das zweifache von jenem, und so mehreres auf dieseWeise. Können wir aber die Entfernungen der Ortemessen, woher und wohin der Körper kommt, der be-wegt wird, oder seine Theile, wie wenn er auf einerDrehbank bewegt wird, so können wir bestimmen, wiegroß die Zeit sei, in welcher von diesem bis zu jenemOrte die Bewegung des Körpers oder eines Theilsdesselben bewirkt ist. Da nun also ein Anderes dieBewegung eines Körpers ist, ein Anderes, womit wirmessen, wie lange sie daure, wer sieht dann nicht ein,was von beiden man vorzüglich Zeit nennen müsse?Denn obwohl verschiedentlich ein Körper zuweilen be-wegt wird, zuweilen stille steht, so messen wir mit derZeit doch nicht allein seine Bewegung, sondern auchseinen Stillstand und sagen: Er hat so lange stillge-standen, als er bewegt worden, oder zweimal oderdreimal langer hat er gestanden, als er bewegt ist, oderwie anderes aus unserer Messung mehr oder minderessich ergab. Die Zeit ist mithin etwas von der Be-wegung eines Körpers verschiedenes.