320 A. Augustinus Bekenntnisse.
habest, der erwache und vernehme, daß er Falsches be-wundert. Denn wie konnten unzählbare Jahrhun-derte vorübergehen, die du nicht gemacht hattest, dadu aller Jahrhunderte Urheber und Schöpfer bist;oder welche Zeiten waren gewesen, die du nicht ge-macht hattest? Oder wie gingen sie vorüber, wennsie nie gewesen wären? Da du also Urheber allerZeiten bist, wenn es eine Zeit gab, bevor du Himmelund Erde machtest, warum wird gesagt, daß du vomWerke abließest? Denn eben diese Zeit hattest ja dugemacht, und nicht konnten Zeiten vorübergehen, bevordu Zeiten machtest. Wenn aber vor dem Himmelund der Erde gar keine Zeit war, warum fragt mau,was du damals machtest? Denn es war ja keinDamals, wo keine Zeit war, und du gehst den Zeitennicht an Zeit bevor, sonst würdest du nicht allen Zeitenbevorgehen. Doch du gehst allen vergangenen Zeitenbevor an Erhabenheit der stets gegenwärtigen Ewig-keit, und übertriffst alles künftige, eben weil es künf-tig ist, und wenn es gekommen, vergangen sein wird.Du aber bist derselbe immerdar, und deine Jahreendigen nicht. Deine Jahre kommen, und gehen nicht;die unsrigen aber gehen und kommen, damit alle kom-men. Deine Jahre bestehen alle zugleich, weil sie be-stehen, und das laufende nicht von dem kommendenvertrieben wird, weil es nicht vorübergeht. Jene unsri-gen werden aber alle sein, wenn sie alle nicht mehrsein werden. Deine Jahre sind ein Tag, und deinTag heißt nicht taglich, sondern heute. Denn deinheutiger Tag weicht nicht dem morgigen, noch folgt