21lZ A. Augustinus Bekenntnisse.
Herr, willst du zürnen? sei nicht eingedenk unsrer vo-rigen Mifsethaten! — Denn ich suhlt' es, wie sie michfesthielten, und ich ergoß klägliche Stimmen: Wielange, wie lange morgen und morgen? Warum nichtjetzt? Warum nicht in dieser Stunde das Ende mei-ner Schande?
So sprach ich, und weint' in der bittersten Zer-knirschung meines Herzens: und sieh, ich höre vombenachbarten Hause her eine singende und oft wieder-holte Stimme eines Knaben oder Madchens: Nimmund lies! — Sofort entfärbt' ich mich, sann mit An-strengung nach, ob in irgend einem Spiele Kinderderlei zu singen pflegten, und durchaus erinnert' ichmich nicht, es je gehört zu haben. Und ich drängteden Thränenguß zurück, stand auf, und erklärt es ein-zig dahin, daß mir vom Himmel herab befohlenwürde, die Schrift aufzuschlagen, und das erste Kapi-tel zu lesen, was ich fände. Denn ich hatte gehört,daß Antonius in einer Borlesung des Evangeliums,worin er zufällig gerieth, ergriffen ward, als wenndas Ihm gesagt würde, was man las: Geh hin, ver-kauf' Alles, was du hast, und gib es den Armen,und einen Schatz wirst du haben im Himmel; undkomme, folge mir nach! — und daß er durch diesenAusspruch sogleich zu dir bekehrt wäre.
Eilig deshalb kehrt' ich dorthin zurück, wo Aly-pius saß: denn hier hatt' ich die Schriften des Apo-stels hingelegt, als ich aufstand. Ich ergriff sie, öffnetesie, und las stillschweigend das Kapitel, worauf zuerstmeine Augen fielen: Nicht in Fressen und Sausen!