176 A. Augustinus Bekenntnisse.
wenden, heilend ihre Hoffart, und nährend ihre Liebe,auf daß sie nicht aus Selbstvertrauen weiter gingen,sondern vielmehr erniedrigt würden und sahen vor ih-ren Füßen die erniedrigte Gottheit, angethan mit demKleid unsers Fleisches, und müd' und matt sich nie-derwürfen vor ihr, diese aber sich erhebend sie aufhübe.
Ich aber dachte anders, und betrachtete meinenHerrn Jesus Christus wie einen Mann von großerWeisheit, keinem vergleichbar, vorzüglich, da er, wun-derbar aus einer Jungfrau geboren, um ein Beispielzu geben von Verachtung des Zeitlichen zu des Un-sterblichen Erlangung, durch göttliche Sorge für unsein so großes Lehreranschn verdient zu haben mirschien. Welches Geheimniß es enthielt: das Wort istFleisch geworden, vermocht' ich auch nicht einmal zuahnden. So viel erkannt' ich aus dem, was von ihmgeschrieben ist, daß, da Christus aß, trank, schlief, wan-delte, sich freute, trauerte, redete, dein Wort jenemFleische nicht anders vereint war, als mit menschlicherScel' und mit menschlichem Sinne. Dies erkenntjeder, der deines Worts Unwandelbarkeit kennt, die ist)nun erkannte, so weit ichs vermochte: Zweifel halt'ich durchaus nicht mehr darüber. Denn: jetzt dieGlieder des Leibes bewegen nach Willkühr, jetzt nichtbewegen; jetzt eines Reizes Eindruck empfangen, jetztnicht empfangen; jetzt durch Zeichen weise Reden her-vorbringen, jetzt stillschweigen: sind Eigenheiten derWandelbarkeit der Seel' und des Sinnes. Wenn diesfalsch von ihm geschrieben wäre, wär' Alles der Lügeverdächtig, und kein Heil des Glaubens bliebe dem